Die Hollywood- und Porno-Industrie zeigt uns angeblich, wie es richtig geht: Sex ist nur dann wirklich gut, wenn er zum Nächte füllenden Ereignis wird. Die Dame räkelt sich in den frühen Morgenstunden befriedigt in seinen Armen und säuselt etwas von „Sexgott“. Ob Hollywood uns wieder einmal einen Bären aufbindet? Es lohnt sich, das zu hinterfragen. Denn guter Sex dauert keine Stunden – ganz im Gegenteil. Gerade beim Sex verwechseln wir oft Qualität mit Quantität.
Mit dem Sex verhält es sich ungefähr so wie mit einem richtig guten Stück Sachertorte. Haben wir das letzte Stückchen davon verspeist, sind wir ein wenig traurig, dass es jetzt schon wieder vorbei ist. Endorphine und Glückshormone werden dennoch ausgeschüttet. Und ganz ehrlich: Wenn der Schokokuchen nie enden würde, dann würde das irgendwann zu ernsthaften Magenkrämpfen führen. Genau wie beim Sex. Denn würde dieser wirklich Stunden andauern – ohne hartes Training wäre das körperlich kaum machbar. Nicht nur die Standhaftigkeit des Mannes würde auf eine harte Probe gestellt, auch das Geschlechtsorgan der Frau würde bei einem nicht enden wollenden Rein-Raus-Spiel irgendwann gefühlstechnisch abstumpfen. Natürlich ist die schönste Nebensache der Welt etwas, das wir lange genießen und bis zur letzten Sekunde auskosten wollen. Doch wer den Orgasmus extra lange hinaus zögert, hat am Ende gar keinen.
Der Sexualwissenschaftler Frank Sommer ist dieser Frage für sein Buch „Warum Frauen Pornos mögen und Männer einen G-Punkt haben. 296 Wahrheiten über Sex“ genauer auf den Grund gegangen und hat Paare gebeten, die Stoppuhr mit ins Bett zu nehmen. Das Ergebnis: Männer brauchen drei bis vier Minuten zum Orgasmus, Frauen etwa doppelt so lange (in Härtefällen auch mal bis zu 22 Minuten). Guter Sex liegt zeitlich also in der Mitte – und genau das fanden auch Forscher an der Penn State University heraus. Das Ergebnis ihrer Studien: Guter Sex dauert nicht länger als 13 Minuten – sollte allerdings auch nicht weniger als drei Minuten brauchen. Aufgepasst: Die Rede ist hier vom reinen Akt, nicht vom Vorspiel. Dass Frauen oft längere Zeit brauchen, um richtig erregt zu sein und sich auf Sex einzustellen, ist kein Geheimnis. Hier gilt: Wer sich ein wenig mehr Zeit nimmt, kann nur gewinnen.
Wie lange guter Sex dauert, ist natürlich auch immer eine persönliche Frage. Wie gut ist man als Paar aufeinander abgestimmt und welche sind die individuellen Vorlieben? Der Reiz liegt natürlich auch darin, Variationen zu probieren. Ein kurzer Quickie auf dem Küchentisch kann genauso reizvoll sein wie ein ganzer Sonntagnachmittag unter der Daunendecke. Und wer nicht lange aushalten kann, der macht es einfach mehrmals hintereinander. Ein ganzer Schokokuchen sozusagen - ist sowieso viel schöner.
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