Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft haben alles, was man sich wünschen kann: Erfolg, Geld und die Liebe von Millionen Fans. Doch in einer Sache sind sie offensichtlich wirklich arm dran: Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Fußballer vor wichtigen Spielen keinen Sex haben dürfen. Ist das wirklich wahr? Ist das Sex-Verbot für den WM-Kader nur ein Mythos oder müssen die Kicker vor dem Spiel tatsächlich auf den Spaß im Bett verzichten?
Gibt es überhaupt einen Grund, ein Sex-Verbot auszusprechen? Können sich Spieler, die in der Nacht vor dem Spiel die Laken zerwühlten, nicht mehr 90 Minuten lang konzentrieren? Oder wird ihnen gar jede Energie ausgesaugt? Wir haben den Urologen Dr. Rainer Friedrichs um seine fachliche Meinung zu diesem Thema gebeten. Bei ihm gilt: Erlaubt ist, was gefällt und was gut tut: "Jeder erfahrene Leistungssportler weiß selbst am besten, welche Belastungen er sich vor einem Wettkampf zumuten kann." Nur unmittelbar vor dem Spiel empfiehlt der Hamburger Spezialist, konsequent auf Sex zu verzichten: "Das würde die mentale Verfassung und damit die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit (zu) negativ beeinflussen." Doch Sex ist nicht gleich Sex, laut Dr. Friedrichs kommt es auch darauf an, mit wem man das Bett teilt. "Gegen Sex in einer langjährigen vertrauensvollen Partnerschaft ist in der Regel bis zu 24 Stunden vor dem Wettkampf nichts einzuwenden", erklärt er. "Von ausschweifenden Sexeskapaden mit einer neuen Partnerin oder Zufallsbekanntschaften in den Tagen vor einem Wettkampf rate ich aber ab."
Mit seiner Expertenmeinung geht der Urologe damit mit dem Usus der deutschen Nationalmannschaft d'accord. Ex-Deutschland-Coach Berti Vogts hat es einmal so formuliert: "Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts." So oder so ähnlich hielten es bislang die meisten Bundestrainer. Dieses Jahr muss es sich das Team allerdings erst verdienen, seine Frauen zu sehen: Während der Vorrunde müssen Poldi, Schweinsteiger & Co. ohne ihre Liebsten auskommen. Nur, beziehungsweise erst wenn die deutsche Elf das Viertelfinale erreicht, dürfen die Damen anreisen. Platz genug dürfte im noblen "Velmore Grande" nahe Südafrikas Hauptstadt Pretoria ja sein - schließlich hat Manager Oliver Bierhoff das komplette Hotel für die Nationalmannschaft nebst Begleittross gemietet.
Englands Coach Fabio Capello ist da strikter. Bei ihm gilt ein strenges Sex-Verbot. Er fordert von seinen Männern vollen Einsatz auf dem Platz - und nicht im Bett. Angeblich lässt er die Zimmer sogar videoüberwachen, um seine Pappenheimer besser unter Kontrolle zu haben. Laut Capello besonders gefährdet: John Terry, Frank Lampard, Wayne Rooney und Steve Gerrard.
Spielerfrauen anderer Länder reisen aus ganz anderen Gründen nicht zur Weltmeisterschaft an: Sie haben Angst vor Terroranschlägen. So bleiben zum Beispiel Sylvie van der Vaart und die anderen schönen Holländerinnen zu Hause und begleiten ihre Oranje-Jungs nicht nach Südafrika. Ein angeblich geplanter Anschlag auf das WM-Spiel zwischen Holland und Dänemark gab den Ausschlag für die Entscheidung. Und auch die Italiener halten es so und lassen ihre Signoras zu Hause.
Solche Gedanken macht man sich in Brasilien nicht. Nationaltrainer Carlos Dunga lässt seinen Jungs alle Freiheiten. Sein Credo: Private Entscheidungen muss jeder selbst treffen. Die Argentinier geben sogar noch konkrete Tipps dazu, wie das Liebesspiel während der WM optimalerweise auszusehen hat: Man solle die Frau "arbeiten" lassen - bei der Reiterstellung sei die Verletzungsgefahr am geringsten. Der Sportchef der Gauchos, Carlos Bilardo geht beim Thema Sex während der WM sogar noch weiter: "Wer das Tor im Finale macht, darf mich von hinten nehmen", kündigte er an. Na bravo!
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