Frauen stehen auf Hardcore-Pornos. Zu diesem überraschenden Ergebnis ist jüngst der amerikanische Neurowissenschaftler Ogi Ogas gekommen. Ogas, der an der renommierten Universität Boston graduierte und bereits 2012 in dem Buch „Klick! Mich! An!“ (Blanvalet Verlag, 16,99 Euro) die sexuellen Vorlieben von Männern und Frauen im digitalen Zeitalter erforscht hat, widmet sich nun speziell dem Thema der Pornographie.
„Es gibt ein wirklich interessantes Phänomen bei der weiblichen Sexualität, das es in der männlichen nicht gibt – und das ist die Trennung zwischen dem, wie Erotika sein sollten und dem, was Frauen wirklich antörnt“, so Ogas. Heißt: Obwohl viele Frauen vorgeben würden, Sexfilme mit gleichberechtigten Rollen und einer „Geschichte“ zu bevorzugen, fühlen sie sich dennoch von Pornos angetörnt, die für Männer gemacht wurden. „Faszinierend ist, dass Frauen oft die Idee von feministischen Pornos unterstützen und sozial daran glauben wollen. Aber wenn es darauf ankommt, ist das einfach nicht das, was sie gerne sehen wollen.“
Das Tabu à la „Brave Mädchen gucken so etwas nicht“ werde tatsächlich langsam gebrochen, bestätigt die deutsche Sexualtherapeutin Gabriele Maurer-Waitschacher. Eine Trendwende sieht sie in der These ihres Kollegen jedoch nicht: „Viele Frauen interessiert es einfach nicht zu sehen, wie Pornodarsteller innerhalb von fünf Minuten 21 Mal kommen.“ Wichtiger als lustvolle Bilder im Film seien Emotionen und auch mal ein „Ich liebe dich“. Dennoch: Ogas bezweifelt, dass sich frauenfreundliche Pornos durchsetzen werden: „Es gibt durchaus ein Publikum, aber das ist nur ein kleines Publikum und ein kleiner Teil der Frauen insgesamt.“ Der Geschmack der Frauen wird sich zwangsläufig an das anpassen, was der Markt zu bieten hat.
Außerdem spannt Ogi Ogas einen interessanten Bogen zwischen Harcore-Pornos und der zunehmenden Gleichstellung von Mann und Frau: „Frauen, die aggressiver auftreten, sich sozial besser durchsetzen und sich riskanter verhalten, stehen mehr auf Hardcore-Pornos", sagt der US-Psychologe. „Sie besitzen eine Konstellation von Persönlichkeitsmerkmalen, die man normalerweise mit Männern in Verbindung bringen würde.“ Wollust und Sextrieb als Ergebnis der Emanzipation? Da könnten sich die Herren der Schöpfung bei Alice Schwarzer & Co. doch eigentlich nur bedanken.
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