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Was ist ein Fetisch?

 

Vielleicht denken Sie, dass Sie keinen Fetisch brauchen. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie längst einen haben und gar nicht davon wissen. Der Berater erklärt die brennende Leidenschaft für Uniformen, Nylons, Latex – oder Füße.

Für Elle Macpherson sind es die Dessous. Mindestens 50 Teile habe sie davon im Schrank. „Es ist ein richtiger Fetisch für mich“, erzählte das ehemalige Topmodel dem Onlinedienst Female First. Was „The Body“ aber wahrscheinlich damit sagen will, ist: Es erregt mich, wenn ich sexy Unterwäsche trage. Und damit stehen schon mal zwei Sachen fest: Erstens ist ein Fetisch per se nichts Schlechtes. Und zweitens würde sich kein Mann dieser Welt an so einem Fetisch stören.

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Fetisch: Unterwäsche, Strümpfe, Füße – alles schon da gewesen

Was ist Fetischismus?

Generell wird Fetischismus so definiert, dass er auf die sexuelle Befriedigung und Erregung durch Ersatzobjekte abzielt. Anders ausgedrückt: Eine Person wird durch bestimmte Gegenstände sexuell erregt. Oder, was wahrscheinlicher ist, stärker erregt als sonst. Das ist die harmlose Variante, die jeder schon mal am eigenen Leib erfahren hat – eben auch Elle Macpherson. Erinnern Sie sich mal an jene Abende, an denen Ihre Partnerin im Bett die Nylonstrümpfe anlässt – oder Sie nur mit einer Perlenkette bekleidet im Schlafzimmer empfängt und dabei noch (zufällig) High-Heels trägt. Woher solche bestimmten Gegenstandsvorlieben kommen, konnte die Wissenschaft noch nicht klären. Es gibt Theorien über frühkindliche Prägung (etwa durch die Schmusedecke) oder über Konditionierung (z.B. Onanieren über dem Bild einer Frau in Nylonstrümpfen), die man im Laufe der Pupertät entwickelt.

Fetischismusarten

Fast alle Objekte (in der Regel handelt es sich meist um leblose Gegenstände) taugen dazu, eine sexuelle Erregung bei einem Menschen hervorzurufen. Die am meisten verbreiteten Fetische sind Kleidungsstücke wie Schuhe, Strümpfe, Nylons, Unterwäsche, Badekleidung und natürlich auch Uniformen oder spezielle Berufsklamotten wie etwa die einer Krankenschwester. Ein weiterer Fetisch können auch solche Kleidungsstücke sein, die nur mit einer bestimmten Situation in Verbindung gebracht werden, wie beispielsweise das Tragen von Windeln. Aber auch bestimmte Accessoires können ein Fetisch sein. Besonders häufig bezieht sich die erotische Vorstellungen dabei auf Ohrringe oder Brillen. In letzter Zeit wurde übrigens auch eine Zunahme des Raucherfetischismus festgestellt, bei dem Zigarette, Feuerzeuge, Zigarren oder Pfeifen als Stimuli dienen – wobei es insbesondere bayrische Rauchfetischisten wohl in Zukunft schwer haben werden.

Fetisch-Ausnahmen

Wenn Sie jetzt allerdings mit der Ausrede einen Fetisch zu haben, Ihre Partnerin davon überzeugen wollen, im Bett endlich mehr Sexspielzeug zu benutzen, haben Sie die falschen Schlüsse gezogen. Denn Gegenstände wie Dildos oder Vibratoren die ohnehin für die Verwendung während des Liebesaktes bestimmt sind, zählen nicht zur Gruppe möglicher Fetische. Sie müssen der Freundin Ihre Vorliebe für Sexspielzeug schon mit anderen Methoden schmackhaft machen.

Materialfetischismus

Wer einen Fetisch pflegt, für den ist es ist es oftmals entscheidend, aus welchem Material der Gegenstand gefertigt ist. Das kann sogar so weit gehen, dass das Objekt austauschbar wird, wenn das Material stimmt. Heißt übersetzt: Wenn Sie beispielsweise auf Pelz stehen, wird es Ihnen herzlich egal sein, ob Ihre Partnerin einen Muff, eine Mütze oder einen Mantel trägt. In so einem Fall spricht man auch von Materialfetischismus. Typische Stoffe für diese Art von Fetischismus sind Leder, Pelz, Wolle, Nylon, Seide, Satin und natürlich Latex und Gummi.

Außenseiter

Es gibt aber auch einen kleinen Prozentsatz an Fetischen, die sich nicht auf leblose Dinge beziehen, sondern auf Körperteile. Dazu gehören Brüste (eh klar), Beine, Po, Bauch, Ohren aber auch Achselhöhlen oder Leberflecke (denken Sie an Cindy Crawford, bevor sie Igitt sagen). In Fachkreisen ist diese Art von Fetischismus auch als "Body Worship" bekannt. Die bekannteste Ausprägung dabei ist der Fußfetischismus.

Fußfetischismus

Wie komplex ein Fetisch sein kann, offenbart der Fußfetischismus. Manche Menschen werden allein schon vom Anblick eines Fußes sexuell erregt, während es für andere bestimmte Teile des Fußes sind (wie etwa die Zehen), die Lust auslösen. Andererseits kann für manche Menschen ein Fuß nur dann ein Fetisch sein, wenn er in Nylons gehüllt ist oder in hochhackigen Schuhen steckt. Und wieder andere erregt nur die tatsächliche sexuelle Handlung mit den Füßen, also wenn die Füße beispielsweise am Penis reiben. Diese Praktik ist allgemein unter der Bezeichnung "Footjob" weit verbreitet und hat sogar schon in der Pornoindustrie einen eigenen Industriezweig hervorgebracht. Der Fußfetischismus ist übrigens auch einer der ältesten bekannten Fetische der Geschichte. Bereits im alten China galt der Lotusfuß als etwas ganz Besonderes. Hierzulande gilt Bayerns König Ludwig I als ein Liebhaber von Frauenfüßen. Er ließ sich im 19. Jahrhundert sogar von einem Künstler die Füße der Tänzerin Lola Montez in Marmor nachbilden. Heutzutage gebürt Regisseur Quentin Tarantino ("Pulp Fiction") die Ehre, sich offiziell zu diesem Fetisch bekannt zu haben. Wer es nicht glaubt, sollte sich den ersten Teil der Kill Bill-Reihe angucken. Dort ist in einer minutenlangen Großaufnahme von Uma Thurmans Füßen zu sehen, wie sie auf der Rückbank eines Fahrzeugs nach jahrelangem Koma wieder versucht, ein Gefühl in ihre Beine zu bekommen.

Fetischismus als Krankheit?

Rein medizinisch gesehen, ist der Fetischismus eine Sexualstörung. Aber keine Angst, auch hier gibt es eine Unterscheidung zwischen normal und krankhaft. Von letzterem spricht man, wenn ohne bestimmte Objekte überhaupt keine sexuelle Erregung oder Orgasmen mehr möglich sind. Es kann sogar soweit gehen, dass die Fetische den Geschlechtsverkehr überflüssig machen. Bei den betroffenen Personen ist ein solches Verhalten dann oftmals mit Ekel und schweren Selbstvorwürfen verbunden. Sollten Sie allerdings nur hie und da einen Gegenstand benutzen, um die sexuelle Erregung zu steigern, müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Martin Trockner
 

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