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Keine Lust auf die Liebe: Was ist Asexualität?

 

Unsere Welt ist voller Sex: Auf der Straße lächeln uns halb nackte Frauen von Plakaten entgegen und schon im Mittagsprogramm der privaten Fernsehsender werden die ersten blanken Brüste präsentiert. Es gibt allerdings auch Menschen, die das alles nichts angeht: Sie interessieren sich nicht für Sex, sind asexuell. Doch was bedeutet Asexualität überhaupt? Der Berater hat die Antworten.

Asexuelle Menschen lassen sich nicht einen Kamm scheren – trotzdem gibt es eine Definition, um Asexualität besser greifen und verstehen zu können. Das erste deutsche Netzwerk für Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über Asexualität – kurz AVENde – fasst Asexualität mit „kein Wunsch nach sexueller Interaktion“ zusammen. Kein Wunsch nach Sex? Für die meisten Menschen wohl unbegreiflich. Trotzdem definieren sich immerhin geschätzte zwei bis drei Prozent der deutschen Bevölkerung als definieren.

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Stop, nicht anfassen!

Keine Lust auf Sex? Aber was ist mit der Liebe?

Was passiert bei asexuellen Menschen, wenn es um Sex geht? Ekeln sie sich? Bekommen sie Angstzustände? Können sie überhaupt Beziehungen führen? Wie bereits erwähnt ist es schwer, Asexualität in eine Form zu pressen. „Bei manchen fängt die sexuelle Interaktion erst mit dem eigentlichen Geschlechtsakt an, für andere zählt bereits ein Kuss oder eine Berührung dazu“, erklärt Dirk Walter von AVENde. Asexuelle Menschen entscheiden sich nicht bewusst gegen Sex. „Ein asexueller Mensch lehnt Sex nicht direkt ab – was eine Kopfentscheidung ist: „Ich will niemals Sex haben!" – sondern hat schlichtweg kein Verlangen nach Sex“, so Walter. Asexualität bedeutet auch nicht gleichzeitig, keine Lust zu haben, mit einem anderen Menschen das Leben zu teilen. Die Sehnsucht nach einer romantischen, emotionalen und lustvollen Beziehung ist auch bei asexuellen Menschen vorhanden. Dirk Walter: „Asexuelle sind weder unfähig, einen Partner zu finden noch sind es Menschen, die Angst vor Intimität haben oder ihre sexuellen Wünsche verdrängen“. Einige asexuelle Menschen gehen mit ihren Partnern einen Kompromiss ein und haben ab und zu Sex, andere suchen sich ebenfalls asexuelle Partner.

Wie erkenne ich, ob ich asexuell bin?

Mal Butter bei die Fische! Wer hat schon permanent Lust auf Sex? Jeder Mensch lebt seine Sexualität anders. Der eine wird nach 36 Stunden schon kribbelig, dem anderen reicht´s einmal im Monat. Aber woher weiß ich, wann jemand asexuell ist? Asexualität lässt sich nicht durch einen Test beim Arzt so einfach feststellen. Walter: „Jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden, ob die Beschreibung „Asexualität" zu seinen persönlichen Erfahrungen passt und ob er sich mit dieser Definition wohlfühlt. Niemand muss sich als asexuell bezeichnen, nur weil unsere Definition gerade auf ihn oder sie zutrifft.“ Es gibt auch Menschen, die sich in die Asexualität flüchten. Vielleicht weil sie Angst vor Intimität haben oder bisher nur schlechte Erfahrung mit Sex gemacht haben. „Diese Menschen sind nach unserem Verständnis nicht asexuell und werden im Allgemeinen schnell herausfinden, dass ihr emotionales Problem sich durch eine „Flucht in die Asexualität" nicht beheben lässt“, so Dirk Walter.

Antisexuell oder asexuell?

Woher kommt die Asexualität? Wurde sie vielleicht geprägt durch Eltern oder Kirche? Werden Menschen asexuell, weil ihnen die Gesellschaft, in der sie sich aufhalten vermittelt, dass Sex etwas Schlechtes ist? Ganz klar – nein! „Menschen, die eine negative Einstellung gegenüber Sex vertreten – Sex ist schmutzig, primitiv, unmoralisch, böse – sind eher antisexuell. Menschen, die sich bewusst – also vom Kopf – gegen Sex entschieden haben, sind nach unserem Verständnis nicht asexuell.“ Asexuelle werden auch nicht durch die Gesellschaft geprägt oder wollen gar eine Art „Gegenbewegung“ einer vermeintlichen Übersexualisierung sein. Sie haben schlicht und einfach keine Lust auf Sex.

Sind asexuelle Menschen unglücklicher?

Asexuelle sind nicht glücklicher oder unglücklicher als andere Menschen auch. Dirk Walter: „Asexuelle leiden nicht, weil sie keinen Sex haben. Im Gegenteil, viele Asexuelle würden leiden, wenn sie sich dazu zwingen müssten, obwohl kein Verlangen da ist.“ Wenn Asexuelle leiden, dann hauptsächlich wegen fehlenden Verständnisses und Einfühlungsvermögens ihrer Mitmenschen. In die Gefühlswelt eines asexuellen Menschen können sich nur wenige sexuelle Menschen hineinversetzen. Einige Asexuelle haben Sex – ihrem Partner oder auch dem Kinderwunsch zuliebe. Und eines können sexuelle Menschen sogar von ihnen lernen. Dirk Walter: „Sex ist sicherlich eine weitverbreitete Art Nähe und Liebe zu kommunizieren – aber bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit.“ Hier gibt's mehr Infos zu Asexualität.

Marlene Burba
 

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