Können Männer nicht treu sein? Allein die Frage löst oft schon erbitterte Debatten aus. Verhaltensbiologisch hat sie jedoch ihre Berechtigung - und wird sogar bejaht. Nach dem sogenannten Coolidge-Effekt hängt das sexuelle Verlangen des Mannes stark mit dem Angebot an weiblichen Reizen zusammen: Lebt er in einer festen Beziehung und ist treu, mindert das seinen Trieb. Hat er häufig wechselnde Partnerinnen, steigt auch sein Verlangen.
Die ersten Beobachtungen zum Coolidge-Effekt wurden bei Hamstern und Ratten gemacht. Ein Männchen wurde zu einem Weibchen in den Käfig gesperrt, was nicht ganz Unerwartetes zur Folge hatte: Das frisch einander vorgestellte Pärchen kopulierte pausenlos. Jedoch nahm das Verlangen des Männchen nach einer Weile ab, bis es schließlich ganz versiegte. Wurde nun ein neues Weibchen in den Käfig gesteckt, die Kleintier-Kommune also um ein Mitglied erweitert, flammte im Männchen neue Leidenschaft auf. Das alt bekannte Weibchen wurde abgelehnt, dafür das neue beglückt. Dieses Verhalten wiederholte sich bei jeder Partnerin - solange, bis das Männchen fast vor Erschöpfung starb. Der Reiz des Neuen ist also stärker als jede Vernunft. Zumindest bei Hamstern, Ratten und Vögeln.
Seinen Namen hat die Neu-Gier des Männchens durch einen prominenten Verfechter dieses Prinzips: John Calvin Coolidge, der 30. Präsident der Vereinigten Staaten, besuchte mit der First Lady eine Geflügelfarm, auf der er vom stolzen Hennenzüchter herumgeführt wurde. Besonders stolz zeigte sich der Farmer über einen seiner Hähne: "Dieser Prachtkerl beglückt unsere Hennen mehrmals die Stunde – und das Tag um Tag!" Die First Lady lacht: "Das müssen Sie mal meinem Mann erzählen!" Präsident Coolidge erwidert unbeeindruckt: "Du hast nicht zugehört, Schatz. Der Mann sagte Hennen, Plural." In Anlehnung an diese Anekdote trägt die Promiskuität in der Verhaltensbiologie und der Psychologie den Namen des Alt-Präsidenten.
Der Seitensprung ist also ein animalisches Gesetz (und damit auch ein menschliches). Ob Zoologie als Entschuldigung für einen Fehltritt in einer Beziehung reicht, ist zu bezweifeln. Dagegen steht ein Effekt, der ebenfalls nach einem ehemaligen Amtsinhaber benannt wurde: das Clinton-Syndrom.
Es geht in etwa so: Wer mangelhaft lügt, der sollte dem Fremdgehen aus dem Weg gehen.
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