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Benehmen bei der Geburt: So sollten sich Männer im Kreißsaal verhalten

 

Heimspiel oder herbe Niederlage? Sind Männer im Kreißsaal eine Bereicherung oder eine echte Zumutung? Der Berater weiß, wie Sie die Geburt Ihres Kindes zum Sieg verwandeln.

Der Kreißsaal heißt nicht etwa so, weil ihm die Ecken fehlen oder Schwangere im Kreis laufend ihre Babys bekommen. Das Verb „kreißen“ steht für stöhnen, schreien oder kreischen. Der Name ist also Programm, denn eine Geburt ist für die Frau mit großen körperlichen Anstrengungen verbunden. Männer im Kreißsaal: in den 70er-Jahren noch eine Seltenheit, heute für viele werdende Väter ein gesellschaftliches Muss. Männer, die nicht zur Geburt ihres Kindes mitgehen, gelten entweder als Machos oder Weicheier. Und das, obwohl den meisten Hebammen ein Vater, der nach der Geburt zur glücklichen Mutter dazu kommt, lieber ist als ein Mann, der den Geburtsablauf massiv durch unproduktives Verhalten stört.

Mit dem Storch wäre alles so viel einfacher

Männer im Kreißsaal: Ja oder Nein?

Entscheidungen treffen und Probleme lösen liegt im Naturell des Mannes. Kein Wunder, dass sich viele Männer im Kreißsaal ohnmächtig und verloren fühlen. Denn hier sind es Hebammen und Ärzte, die aktiv sind und für den Fortgang der Geburt sorgen. Der Mann muss sich dem Anblick seiner leidenden Freundin oder Frau stellen, und stolpert auf dem schmalen Grad zwischen zu viel und zu wenig Unterstützung umher. Einige plagt sogar das schlechte Gewissen, weil sie sich für die Schmerzen der Frau mitverantwortlich fühlen. Wenn man es mal so sagen darf: besch... Situation. Gehen Sie also nicht unvorbereitet auf den Platz: Beschäftigen Sie sich, selbst wenn die Babykugel Ihrer Partnerin noch kein Fußballformat erreicht hat, mit den Themen Schwangerschaft und Geburt. Sie müssen Ihren Kumpels nicht erklären können, was in welchem Schwangerschaftstrimester mit Ihrem Sprössling passiert. Trimester was? Genau! Eine gewisse Grundkenntnis ist jedoch Pflicht für jeden werdenden Vater.

Bereiten Sie sich gefälligst auf die Geburt vor!

Begleiten Sie Ihre Partnerin zu den Vorsorgeuntersuchungen und zum Geburtsvorbereitungskurs. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Nachwuchs und sprechen Sie vor allem mit Männern, die bei der Geburt des eigenen Kindes dabei waren. Falls sich in der Familie und im Freundeskreis kein erfahrener Vater findet, können Sie sich an die leitende Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs wenden. Sie weiß mit Sicherheit, wo reine Männerrunden stattfinden oder wird einen Abend mit den anderen männlichen Teilnehmern organisieren. Die meisten Hebammen und Ärzte empfehlen zudem, dass das werdende Elternpaar eine Geburt auf Video gesehen hat. Nur so können Sie nämlich einschätzen, ob Sie Ihrer Liebsten eine Hilfe sein werden oder 36 Stunden lang wimmernd neben ihr kauern. Überlegen sie als Paar, was unter welchen Gegebenheiten das Beste für Mutter, Vater und Kind ist. Seien Sie ehrlich zu Ihrer Partnerin, was Ihre Ängste bezüglich der Geburt angeht. Bei Komplikationen wird nicht zimperlich mit Gebährenden umgegangen, weshalb Sie sich ebenfalls mit möglichen Extremsituationen auseinander setzen sollten: Zangengeburt oder Notkaiserschnitt. Wer damit nicht umgehen kann, bleibt besser draußen. So einfach ist das.

Männer im Kreißsaal: die Vorbereitung

Da in den meisten Geburtsvorbereitungskursen das Glück der Mama im Mittelpunkt steht, müssen Sie sich um Ihr eigenes Wohlergehen selbst Gedanken machen. Wenn die Geburt eingeleitet wird, haben Sie genügend Zeit, um sich ein paar Sachen zusammen zu packen. Will Ihr Kind überraschend auf die Welt, muss Ihre Tasche gepackt neben der Krankenhaustasche Ihrer Partnerin stehen. Sie wundern sich, was Sie groß brauchen werden? Viele Krankenhäuser haben für den Mann lediglich einen Stuhl als Rückzugsmöglichkeit eingeplant. Wenn Sie zum Schlafen nicht nach Hause fahren möchten, packen Sie am besten eine automatisch aufblasbare Luftmatratze ein. Denken Sie an ein paar Hygieneartikel, Wechselkleidung, Digitalkamera (inklusive Speicherkarte), Handy, die passenden Ladegeräte und ein wenig Geld. Zu Hause bleiben Videospiele, Filmkamera, Bücher und Zeitschriften. Es sei denn, Sie haben vor der Geburt mit Ihrer Freundin ausgemacht, dass Sie mit ihr Tetris spielen, zwischen ihre Beine filmen oder aus Standardwerken vorlesen werden.

Männer im Kreißsaal: die Geburt

Männer haben im Kreißsaal schon die ein oder andere Überraschung erlebt: Die schüchterne Susi schimpft plötzlich wie ein wild gewordener Hooligan. Sitzplatz an vorderster Front und die Hebamme fragt ganz erstaunt, warum man(n) denn keinen Baum auf die Nachgeburt pflanzen möchte. Unser Vorschlag: Klären Sie den Ablauf der Geburt mit Ihrer Partnerin, bevor diese im Kreißsaal die Sinne verlassen – und teilen sie diese Entscheidungen dem Krankenhauspersonal vor der Geburt mit:

  • - Verlassen Sie den Raum, wenn es Komplikationen gibt, oder bleiben Sie dabei?
  • - Welche Maßnahmen werden in einer Notsituation ergriffen?
  • - Welche Schmerzmittel akzeptiert die Frau?
  • - Wer nimmt das Kind als erstes in den Arm?
  • - Möchten Sie die Nabelschnur durchtrennen?
  • - Wollen Sie Ihren zerknautschten Nachwuchs mit einer Krankenschwester erstversorgen, oder erst frisch gebadet entgegen nehmen?
Ansonsten können wir Männern im Kreißsaal nur dazu raten, den Bereich unterhalb der weiblichen Brust als Sperrzone zu betrachten. Viele halten während der Presswehen zwar ein Bein der Frau, aber Sie sollten es ihrem gemeinsamen Sexleben zuliebe einfach lassen. Nehmen Sie Wutausbrüche à la „Ich werde nie wieder mit dir schlafen!“ mit Humor. Und seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihre Partnerin die Hand der Hebamme anstelle Ihrer ergreift. Die hat sich einfach nur verguckt!

Jenna Santini
 

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