Fünf Prozent aller Künstler in Deutschland können von ihrer Kunst leben. Nicht gerade viel. In anderen Zahlen: Das durchschnittliche Einkommen eines frei schaffenden Künstlers liegt bei 12.000 Euro – leider im Jahr, und nicht im Monat. Viele Absolventen von Kunstakademien sind also gezwungen, sich dauerhaft durchs Leben zu schlagen: als Thekenkraft, als Trockenbauer oder etwa als Hochzeitsfotograf. Das Problem: Eine anständige Karriere in einem „bürgerlichen Beruf" ist auch nicht drin, denn Kunst ist ein Fulltime-Job.
Und so leben viele Künstler den Status des ewigen Studenten – immer in der Hoffnung auf den großen Durchbruch. Klingt doch schön, könnte man meinen. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit", sagte schon Karl Valentin. Und kostet auch einen Haufen Geld: teure Farben, Fotomaterial, Rohstoffe wie Bronze und natürlich die Miete für ein Atelier. Musiker brauchen teure Instrumente und Räume zum Üben. Wer nicht reich erbt (wie etwa Gunter Sachs), muss viel Glück haben, um durchzuhalten: Etwa einen Mäzen finden oder einen Galeristen, der an einen glaubt. Und natürlich mit der richtigen Kunst zur richtigen Zeit den Nerv des Publikums treffen.
Die Realität liegt auf der Hand: Die meisten Künstler leben an der Armutsgrenze und werden zeitlebens nie entdeckt. Interessant ist da ein Blick in die Kunstgeschichte: Wovon lebten große Künstler eigentlich? Der große Post-Impressionist Paul Gauguin etwa baute Häuser – als Bauingenieur. Piet Mondrian, ein Großer der Moderne, war Volksschullehrer. Gerhard Richter, heute gefeierter Maler, schlug sich lange als Werbemaler durch. Der Tachismus-Pionier Wols musste seinen Lebensunterhalt als Automechaniker verdienen. Der niederländische Maler und Bildhauer Karel Appel war „irgendwie auch kreativ" in seinem Brotberuf: Er arbeitete als Friseur. Der Surrealist Jean Dubuffet verkaufte Wein, um zu überleben. Aber den spektakulärsten Beruf hatte wohl der große kolumbianische Maler Fernando Botero: Er stand in der Arena – als Stierkämpfer. Botero hatte die Gunst, die Welt des Stierkampfs zur großen Kunst zu erheben. Aber manch anderer sollte sich vor einem Kunststudium doch Gedanken über einen Zweitjob machen, von dem er auch leben kann ...
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