Der eine zieht hektisch am Glimmstängel mit zittriger Hand, der andere ganz genussvoll und schließt dabei die Augen – gemeint sind die Raucher. Ruediger Dahlke hat in seinem Buch „Das Raucher Buch – Psychologie und Be-Deutung des blauen Dunstes“ (288 Seiten, Goldmann Verlag, 8,99 Euro) mehrere Rauchertypen unterschieden. „So kann jeder Raucher erkennen, welche Bedürfnisse das Rauchen bei ihm erfüllt und wie er diese anders und besser erfüllen kann", erklärt Dahlke.
So raucht er: viel und vor allem rücksichtslos. Nichtraucher in der Umgebung? Ihm doch egal. Den Rauch bläst er hastig und aggressiv in den Raum – auch mal anderen ins Gesicht, doch das ist dann meist eher ein Versehen. Drei Zigaretten, die gleichzeitig in seinem Aschenbecher abbrennen, sind keine Seltenheit, denn sein Schwerpunkt liegt im Anrauchen. Er würde gerne wilde Abenteuer erleben, doch dazu fehlt es ihm an Mut. Diesen Mangel an Tapferkeit versucht er zu vernebeln und seinen Frust über das eigene Versagen im Rauch zu verstecken. Die Zigarette dient als Ventil, um sein Energiepotenzial auszuleben und seine Ungeduld und Reizbarkeit aus seiner Lebenssituation abzulassen. Seine Marke: Seine Marke spiegelt seine Sehnsucht nach Abenteuer wieder. Deswegen raucht er meistens Camel oder Marlboro. So kann er aufhören: Als Ersatz für den Griff zu den Zigaretten bietet sich jede Art von körperlicher Ertüchtigung an. Besonders Kampfsport, Abenteuersport, Schießen, Waldlauf und Fechten.
So raucht er: ängstlich. Denn er hat Angst, vom Rauchen krank zu werden. Früher oder später wird er den Zigaretten deshalb auch abschwören. Bis dahin raucht er vor allem, um sich selbst abzuschotten. Die Zigarette verengt die Gefäße im Körper, wodurch er quasi dichtmacht. Und Angst ist schließlich auch nichts anderes, als ein Gefühl der Enge des eigenen Körpers. Trotzdem raucht er, aus Angst vor Krebs und Herzinfarkt wenig. Doch regelmäßig. Immer aber mit schlechtem Gewissen. Manchmal wird aus nützlichen Gründen geraucht, beispielsweise morgens, um die Verdauung anzukurbeln. Da rauchen als Schwäche interpretiert wird, wird grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit geraucht. Seine Marke: auf jeden Fall leichte Zigaretten. Das Image ist ihm egal. Gibt es neue nikotinlose Zigaretten, ist er einer der Tester. Ansonsten nutzt er das Rauchen, um sich nach getaner Arbeit zu belohnen. Zum Beispiel mit einer Ernte 23 oder einer HB. So kann er aufhören: Heimwerken, Gärtnern, Restaurieren – generell jede Arbeit, die er gerne tut oder Sportarten, die gesund und vernünftig sind: Skilanglauf. Tipp für ihn: Wenn das Verlangen nach einer Zigarette kommt, stattdessen zum Apfel greifen.
So raucht er: Der kommunikative Raucher ist ständig auf der Suche nach dem neusten Tratsch, muss immer am Puls der Zeit sein. Die Zigarette nutzt er dabei gekonnt zur Kontaktaufnahme. Er schnorrt sich die Zigarette und fädelt dabei ein oberflächliches Gespräch ein, um das Neueste zu erfahren. Oft raucht er nur die halbe geschnorrte Zigarette, um kurz darauf an neuer Stelle sich eine neue zu ergattern und ein neues Gespräch anzufangen. Seine Marke: Geraucht wird, was dem Schnorrer angeboten wird. Doch wenn er selbst zum Tabakbüdchen geht, dann kauft er Peter Stuyvesant – wegen des versprochenen Dufts der weiten Welt. So kann er aufhören: Atemübungen, Lernen sich im Gespräch wirklich mitzuteilen, Museen, Besuche von Ausstellungen, Schreiben, Lesen und/oder eine Gesprächstherapie beim Psychologen.
So raucht er: Mit seiner Art zu Rauchen demonstriert er: Ich bin der Boss. Deswegen will er auch gesehen und gerochen werden. Mal mit Zigarre, mal mit Zigarette – aber nie mit Rücksicht auf die anderen Anwesenden in der Umgebung. Schließlich dreht sich alles nur um ihn. Doch nicht jeder, der sich für den König hält, ist auch einer. Das Rauchverhalten dient dann zur Kompensierung der eigenen beschränkten Mittel. Seine Marke: selbstverständlich exklusiv. Dunhill, John Player Special, Lord Extra ... Gerne auch mal in der Kingsize Variante. So kann er aufhören: Mitglied – ach was – Präsident im Golfclub werden oder überhaupt jede Beschäftigung, die soziales Ansehen verspricht.
So raucht er: Sein Auftreten ist großzügig, teilweise schon großspurig. Gönnerhaft bietet er seine Zigaretten an. Geizen passt nicht zu ihm. Sein Anspruch auf Weite und Freiheit spiegelt sich in der Art und Weise wie er raucht wieder: Großflächig wird der Rauch im Raum verteilt. Auch wenn es andere stört. Wird er darauf hingewiesen, nimmt er zwar Rücksicht – ist aber irritiert über die Kleinkariertheit seiner Mitmenschen. Seine Marke: teuer und erlesen. Auf keinen Fall unter dem Niveau von Botschafter oder St Moritz Menthol. Gerne zieht er auch an den edlen Zigaretten, die er sich aus dem Ausland eigens hat importieren lassen. Er ist schließlich nicht irgendwer. So kann er aufhören: Bildungsreisen, Klavier spielen, Lesen, sich weiterbilden, Sport wie Reiten, Tennis, Bogenschießen, Philosophieren.
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