Es war so leicht früher: Da lehnte man sich als Kerl lässig gegen die Backsteinmauer des Klubs, indem man gerade abhing, holte die Zigarettenschachtel aus der Jackentasche und schnippte sich eine Kippe raus. Rauchend musste man keine Minute warten, schon hörte man eine hohe, süße Stimme, die fragte: „Hast Du auch mal eine für mich?“ Bam. Wenn man sich nicht selten dämlich anstellte, konnte man den Rest des Abends mit diesem Mädchen verbringen – alles wegen dieser einen Zigarette.
Heute hat sich das geändert. Zunächst wurde der Aschenbecher aus den Flugzeugen geschmissen, anschließend folgten in immer kürzeren Abständen die öffentlichen Gebäude, die Bahnhöfe, die Büros und schließlich die Klubs und Restaurants. Alles raucherfreie Zone. Kein Marlboro-Mann weit und breit. Nun hat der moderne Mann zwar eine Lunge wie Joey Kelly, dafür muss er aber auch genauso lange drauf warten, bis ihn eine Frau anspricht. Also wohl nie.
Dabei hätte Man(n) doch so viele Vorbilder: James Dean, Jean Paul Belmondo, Jon Hamm alias Don Draper – um nur einige Raucher-Ikonen zu nennen. Jeder von ihnen nutzte dieses Accessoire auf seine Weise. Frauen himmelten sie dafür an. Der Berater stellt fünf der coolsten Raucher der Filmgeschichte vor.
Man kann auf unterschiedliche Arten rauchen: hektisch oder gemütlich, lasziv oder langweilig, locker oder angespannt. Man kann aber auch James-Dean-mäßig-Rauchen. Wie das gehen soll? Erinnern wir uns an sein Meisterwerk „...denn sie wissen nicht, was sie tun“. Jim Stark (Dean) in schmal geschnittener roter Baumwolljacke, engen Jeans und mit zurückgegelten Haaren. Allein das Outfit: Hammer. So steht er denn da, vor seinem Elternhaus in einer dunklen Sackgasse. Jim ist fertig. Ärger mit den Alten, Ärger in der neuen Schule. Aber die Zigarette lässt für einen kurzen Moment alles vergessen. Er kramt sie aus dem Softpack, steckt sie sich in den Mundwinkel und raucht an gegen alles, was ihn und seine Generation bedrückt. Es ist seine persönliche Fackel der Freiheit. Unwiderstehlich. Auch für Judy (Natalie Wood), die eine schnorrt und sich dabei in Jim verliebt. So rauchen coole Jungs.
Vom American Film Institute wurde Humphrey Bogart zum größten Filmstar aller Zeiten gewählt. Für den Berater gehört er auch zu den größten Rauchern. Wie in der Raymond Chandler-Verfilmung „The big sleep“ („Tote schlafen fest“) von 1946. In seiner Rolle des Privatdetektivs Philip Marlowe spielt Bogart den einsamen Wolf, der sich durch den düsteren Großstadtdschungel kämpft. Einzig seine Zigarette leuchtet in der Finsternis des Film noir unentwegt. Mit aller gottgegebenen Lässigkeit greift er in seine Sakko-Tasche, holt die Zigarettenpackung heraus und zündet sich eine an. Dabei schaut er Lauren Bacall in ihr wunderschön unsymmetrisches Gesicht. Wer könnte da widerstehen. Bacall auf jeden Fall nicht. Sie verliebte sich bereits zwei Jahre zuvor in ihren Schauspielkollegen und heiratete ihn. Ob seine Art zu Rauchen damit zu tun hat, wissen wir leider nicht.
Ob er der größte Star der Nouvelle Vague war, darüber lässt sich streiten. Unbestritten aber ist, dass Jean Paul Belmondo deren sinnlichster Raucher war. Als Kleinkrimineller Michel Poiccard raucht er in dem Film „À bout de souffle“ („Außer Atem“) unter der Regie von Jean-Luc Godard eine Zigarette nach der anderen und als Zuschauer hofft man, dass er nie erfahren wird, dass Rauchen tödlich sein kann. Seinen Borsalino tief in die Stirn gezogen, zündet er sich jede neue Gauloises mit der Glut der vorherigen an. Er liest Zeitung, fährt Auto oder flirtet, immer mit der Kippe zwischen seinen monströsen Lippen, während er auf dem Filter rumkaut. Verwegener geht’s nicht.
Sherlock Holmes (Downey Jr.) ist Genuss-Raucher, Pfeife stopfen gehört zu seinen Hobbies. Holmes raucht langsam und behaglich, dadurch hat er Zeit zum Nachdenken. Wenn unter seinem Deerstalker-Hut helle Rauchschwaden aufziehen, kann man sicher sein, dass er des Rätsels Lösung immer näher kommt. Sherlock Holmes ist ein Mann von Welt - gebildet, scharfsinnig und stilvoll. Die Pfeife verkörpert diesen Intellektuellen perfekt. Für alle, die gerne im tiefen Ledersessel der exklusiven Whiskey-Bar versinken und ihren Gedanken freien Lauf lassen wollen.
Eine Führungspersönlichkeit raucht. Und Don Draper (Hamm) aus der US-Serie "Mad Men" ist eine Führungspersönlichkeit. Denn wenn ein Chef aussieht wie Don Draper und sich dann auch noch eine Kippe anzündet wie Don Draper, gibt es keinen Angestellten, der nicht auf diesen Typ hören würde. Er nimmt sich die Zigarette aus einem edlen Zigarettenspender und zieht sein Zippo. Dann lehnt er sich in seinem Chefsessel zurück, kneift die Augen zusammen, während seine Stirn sich in Falten legt und zieht. Ruhe im Raum – gleich spricht der Boss. Übrigens: Laut kalifornischem Arbeitsrecht ist es verboten, am Arbeitsplatz nikotinhaltige Zigaretten zu rauchen. Deshalb raucht die gesamte Mad-Men-Crew nur noch Kräuterzigaretten.
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