Stevia, auch Honigkraut genannt, wird in seiner Heimat Südamerika schon Jahrhunderten als Süßungsmittel verwendet. Die Guarini-Indianer zerrieben die Blätter der Steviapflanze und süßten damit Speisen und Getränke. 1887 entdeckte der Schweizer Botaniker Giacomo Bertoni die Pflanze und erkannte die süßende Wirkung. Die übrigens gewaltig ist: Die Süßkraft der Steviapflanze ist etwa 30 Mal größer als die von Zucker - als isolierter Süßstoff ist Stevia sogar bis zu 300 Mal. Der Vorteil: Es erzeugt kein Karies und enthält auch keine Kalorien.
1931 wurde Stevia auf seine Bestandteile erforscht. Für die Süße sind neun bis zwölf so genannte Glycoside verantwortlich. Das natürliche Süßungsmittel geriet in Vergessenheit, da Zucker bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aufgrund der Nährleistung überhaupt nicht in Frage gestellt wurde: Kalorien waren ja etwas postives! Erst mit den Wohlstandskrankheiten – Karies, Diabetes und Fettleibigkeit – erinnerte man sich an Stevia. In den USA war Stevia bis 1985 neben anderen Süßstoffen auch frei im Handel erhältlich.
Denn 1985 wurde in einer Studie der Universität Chicago darauf hingewiesen, dass Steviol – ein Stoff, der bei der Verdauung von Stevia entsteht – krebserregend sein könnte. Die Folge: Der natürliche Süßstoff wurde verboten. Aber nach jüngeren Tests wurde es dort teilweise wieder erlaubt – jedoch nur als diätisches Lebensmittelergänzungsmittel. Nachdem in den 1990ern in Europa die synthetischen Süßstoffe wegen ihrer hungerfördernden Eigenschaften in Veruf gerieten, kam Stevia auch dort wieder in die Diskussion. Doch erst 2010 gab die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) das Süßungsmittel frei. Ob die Gerüchte, dass die Zuckerindustrie gegen eine Freigabe Druck ausgeübt habe, wahr sind, ist nicht belegt.
Seit Anfang 2012 gibt es Stevia bei uns wieder im Handel: als Streupulver, Granulat oder auch Tabletten. Ein Versuch ist es allemal wert – Stevia ist tatsächlich zahnfreundlich, kalorienfrei, blutzuckerneutral und ein Naturprodukt. Nachteil: Es hat – in höherer Dosis – durchaus einen leichten Eigengeschmack nach Lakritze. Das stört nicht weiter, wenn man damit seinen Tee oder Kaffee süßt. Zum Kochen oder Backen ist es jedoch nur bedingt geeignet. Vorteil: Aufgrund seiner hohen Süßkraft ist Stevia nicht wirklich teuer.
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