Manchmal ist es einfach so: Nach ein paar Treffen stellt man fest, dass es nicht stimmt oder der anfängliche Funke sich als Strohfeuer erwiesen hat. Also besser das Ganze beenden als falsche Hoffnungen wecken. Doch auch in einer längeren Beziehung kann man irgendwann zu dem Schluss kommen, dass man nicht zusammen passt oder dass sich die Gefühle verändert haben. Wie man mit einer solchen Situation umgeht, ist letztlich eine Frage des Charakters.
Früher gab es zumindest noch den romantischen Abschiedsbrief. Ein Brief, in dem man sich erklärt, ist sicherlich immer dann in Ordnung, wenn er zur Vorbereitung eines Gesprächs dient. Heute wird eine Beziehung aber auch mal gerne kurz und prägnant per SMS, WhatsApp oder Mail beendet. Das Problem: Der oder die Verlassene bleibt oft ratlos zurück. Gut, wenn es nur ein paar Dates waren, gibt es vielleicht auch nicht viel zu sagen. Aber nach einer längeren Beziehung sollte man sich dem Ex-Partner schon erklären. Das ist quasi die letzte Pflicht desjenigen, der geht.
Noch erbärmlicher als die Kurznachricht ist "Ghosting": Sich einfach ohne Erklärung davonmachen. Die/der Verlassene fühlt sich, als habe sie/er ein Gespenst gesehen, daher der Name. Erst allmählich schwant der/dem Verlassenen, dass sie oder er verlassen wurde. Der Partner verschwindet einfach ohne jegliche Erklärung aus dem eigenen Leben, als habe es ihn nie geben. Wie mies mag sich jemand fühlen, wenn er dem Partner noch nicht einmal mehr eine banale Erklärung wert ist, und sei es auch nur die, dass man geht? Das Phänomen selbst ist übrigens nicht neu! Früher sagte man dazu: "Ich gehe eben mal Zigaretten holen".
Der Außenstehende wird fragen, was hat jemand verbrochen, der so schäbig behandelt wird? Man selbst fragt sich, welche Schuld man wohl auf sich geladen hat, was man falsch gemacht und was man übersehen hat. Und dem ohnehin schon angeknacksten Selbstwertgefühl bei einer Trennung wird noch mal eins oben drauf gesetzt.
Wer sich so davonstiehlt, ist schlichtweg feige. Wahrscheinlich ist er auch in der Beziehung schon jedem Konflikt und jeder Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen. Ein solches Verhalten ist ein Zeichen von emotionaler Unreife und Grausamkeit. Selbst der Sandkastenfreund im Kindergartenalter war mutiger, als er mit dem Schäufelchen in der Hand verkündete: "Du bist jetzt nicht mehr meine Freundin". Damals flossen auch Tränen, aber man blieb nicht in völliger Ahnungslosigkeit zurück. Man kann im Leben nicht vor jeder unangenehmen Situation fliehen. Manchmal muss man gewisse Dinge einfach aushalten, auch Verzweiflung, Wut und Hass. Alles ist besser als jemanden auf diese Weise zu demütigen. Und schließlich will man sich ja auch weiterhin im Spiegel anschauen.
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