Sie kennen diese Situation vielleicht: Sie stehen im Fahrstuhl und ein Trupp Handwerker von der Baustelle ein Stockwerk tiefer steigt dazu. Okay, denken Sie, denen darf man ein bisschen Schweißgeruch nicht zum Vorwurf machen, denn die Herren verrichten körperlich anstrengende Arbeit. Was aber ist mit dem Kollegen neben Ihnen, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt? Wie verhält man sich, wenn jemand so intensiv nach Schweiß riecht, dass Sie Ihr Büro für geraume Zeit verlassen müssen, weil Sie es nicht aushalten? Oder wenn Ihr Gegenüber in der Besprechung ständig Mundgeruch hat?
Man denkt sich: Der muss doch merken, dass er stinkt. Aber viele Menschen nehmen ihren Eigengeruch nicht wahr. Denn mit Schweißgeruch ist es wie mit einer Knoblauchfahne: Die riecht nur der, der keinen Knoblauch gegessen hat. Es kann auch sein, dass Ihr Kollege jeden Morgen duscht und trotzdem kurze Zeit später zu müffeln beginnt: Vielleicht trägt er einfach ungünstige Kleidung (z.B. ein Synthetikhemd) oder benutzt nur selten oder das falsche Deo.
Da er selbst seinen Schweißgeruch nicht wahrnimmt, wird er auch nichts daran ändern. Sie sollten also auf jeden Fall etwas sagen. Vielleicht hat er sich auch schon gewundert, warum die Termine mit Kunden immer die anderen Kollegen bekommen, oder wieso nach einer Stippvisite bei den Kollegen die Fenster aufgerissen werden.
Beim Männerabend, in lockerer Runde, würde man es wahrscheinlich mit einem Witz versuchen: „Sag mal, duschst du eigentlich nach dem Sex?“ – „Ja, warum?“ – „Dann solltest du mal wieder poppen.“ Im Kollegenkreis sind derlei Zoten aber weniger angebracht. Permanente Deo-Geschenke kommen genauso wenig an, denn damit können Sie die betreffende Person kränken. Sprechen Sie den Kollegen in einer ruhigen Minute lieber ohne Umschweife darauf an. Übrigens ist es einem Mann angenehmer, von einem Mann auf seinen Schweißgeruch hingewiesen zu werden, als wenn es eine Frau tut. Umgekehrt gilt das Gleiche.
Unangenehme und in diesem Fall sehr persönliche Dinge sollten immer in einem Gespräch unter vier Augen, ohne Zeugen stattfinden. Je selbstverständlicher Sie mit dem Thema Schweißgeruch umgehen, desto weniger peinlich ist es für den Angesprochenen. Bieten Sie dem Gegenüber einen Kaugummi an – wegen des Mundgeruchs. Lehnt er ab, versuchen Sie, ihn direkt darauf anzusprechen. Wenn er Ihnen die Alkoholfahne mit einem neuen Aftershave erklärt, mag das vielleicht witzig sein, nicht aber, wenn der Kollege noch einen Bus steuern oder ein Flugzeug fliegen muss.
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