Golf lernen – wer sich das vorgenommen hat, wird bislang unbekannte Schwächen an sich entdecken. Denn beim Golf, so sozial dieser Sport auch ist, heißt der größte Gegner: ich. Jeder steht sich psychologisch, feinmotorisch, koordinativ vor allem selbst im Weg. Das nennt man – eigentlich ganz passend – „Handicap“. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Art von Tennisarm des Golfsportlers, sondern um seine Spielstärke. Und die bewegt sich bei einem Hobbyspieler auf einer Skala von -54 bis 0, wobei man für gewöhnlich nach der Platzreife bei -54 startet und sich hinauf spielen muss Richtung null. Ein beschwerlicher Weg.
Die Zahlen -54 bis 0 bezeichnen die Anzahl von Schlägen, die vom Spieler zusätzlich zum jeweiligen Platzstandard verbraucht werden dürfen. Dieser Standard liegt auf einem 18-Loch Golfplatz üblicherweise bei 72 Schlägen. Wer konstant unter dem Platzstandard Golf spielt, hat also ein Plus-Handicap und kann sich eine Profikarriere durch den Kopf gehen lassen. Für einen Wechsel in die Profiliga bräuchten Sie ein Handicap von +6, was nach den ersten praktischen Golfversuchen in Ihren Ohren nach faktischer Unmöglichkeit, Quadratur des Kreises und Gottesbeweis klingen wird.
Das erste große Ziel, das der blutige Anfänger vor Augen hat, heißt Platzreife, beziehungsweise Platzfreigabe. „Die ist die Fahrprüfung des Golfsports“, sagt der Golflehrer und Buchautor Christian Lanfermann. Die Prüfung setzt sich aus einem Theorieteil zu Regeln und Etikette auf dem Golfplatz sowie aus einem Praxisteil zusammen. In der praktischen Prüfung müssen neun Löcher innerhalb von zwei Stunden bespielt werden. Der Prüfling darf dabei die vorgegebene Schlagzahl pro Loch lediglich um drei Schläge überschreiten. Mit der Platzfreigabe erhält der Golfspieler auch sein Handicap, das durch genormte Clubvorgaben bei mindestens -54 liegen muss. Einige Golfclubs lassen jedoch nur Golfer auf ihren Platz, die ein Handicap von -36 vorweisen können. Lanfermann empfiehlt daher jedem Spieler, sein Handicap schon im Heimatverein mit den angebotenen Kursen auf mindestens -36 zu verbessern.
Doch wie verbessert man sein Handicap? Die Losung lautet: üben, üben, üben – und dann am besten noch ein bisschen mehr üben. Trotzdem reicht regelmäßiges Eigentraining nicht aus. „Trainieren Sie einmal pro Woche mit einem Golflehrer, der Ihr Spiel auf Stärken und Schwächen analysiert“, rät Lanfermann, „nur so finden Sie heraus, welche Spielabschnitte ungewollt Schläge ergeben.“ Ein Golflehrer kann Ihnen zudem einen maßgeschneiderten Spielplan erstellen, der zu Ihrem Trainingsziel, Ihrer Freizeitgestaltung und vor allem zu Ihrer Gesundheit passt. Amateur-Turniere und Clubmeisterschaften sind ebenfalls eine willkommene Möglichkeit, um das eigene Trainingslevel zu verbessern. Doch wie gesagt: Ihr größter Gegner sind Sie selbst. Und Sie können sich und Ihre Leistung (die Zahl Ihrer Nettoschläge) dank des Handicaps ständig messen – zum Beispiel mit Tiger Woods. Was Chefs und Geschäftspartner an Ihnen dann schätzen werden? Sie beweisen, wenn Sie kein Wunderkind sind, dass Sie auch eine mehr als lebenslange Aufgabe mit Beharrlichkeit und unerbittlicher Zielorientierung verfolgen können: Golf lernen.
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