Eine kurze Heimvorteil-Abhandlung für Geschichtsfreunde der Fußballweltmeisterschaft: 1930 lud Uruguay zur ersten WM ein und beschenkte sich dafür selbst mit dem Pokal. Vier Jahre Später richtete Italien das Turnier aus und krönte sich ebenfalls selbst zum Besten der Besten. Und so lässt sich die Reihenfolge der Gastgeber und ihrer Erfolge ewig weiter aufzählen: 1950 Brasilien (2. Platz), 1958 Schweden (2. Platz), 1962 Chile (3.Platz), 1966 England (1. Platz), 1974 Deutschland (1. Platz), 1978 Argentinien (1. Platz), 1990 Italien (3. Platz), 1998 Frankreich (1. Platz), 2002 Südkorea (4. Platz), 2006 Deutschland (3. Platz).
Grund für das gute Gelingen auf heimischer Wiese soll angeblich der Heimvorteil sein. Denn bei Spielen im eigenen Stadion bestehen die Fans – irgendwie logisch – mehrheitlich aus den eigenen Anhängern, die als „Zwölfter Mann“ fungieren und mit lauten Fangesängen das Team nach vorne brüllen sollen. Der Evolutionspsychologe Nick Neave erklärt sich den Heimvorteil damit, dass der Platzhirsch deutlich mehr Testosteron ausschüttet, was zum gesteigerten Revierverhalten und schnellerer Reaktionszeit führt. Gerne wird zur Begründung auch die örtliche Begebenheit genannt. Das Standard-Beispiel: Die bolivianische Nationalmannschaft, gegen die dem Gegner wegen der dünnen Luft dort oben schnell die Puste ausgeht – was beim Fußball eher ungünstig ist.
Um herauszufinden, ob der Heimvorteil tatsächlich Fakt ist, ist die Statistikstudentin Eva Heinrichs dem Mythos zu Leibe gerückt und hat für ihre Diplomarbeit die Spielergebnisse von 71.000 Partien der 1. und 2. Bundesliga, der spanischen, italienischen und englischen Ligen von 1963 bis 2008 untersucht. Ihr Ergebnis für die 1. Bundesliga: Bis zur Saison 87/88 verließ der Gastgeber bei 55,8 Prozent seiner Spiele den Platz als Sieger. Ab da nahm der Heimvorteil ab und sank auf zunächst 47,8 Prozent und endete 06/07 bei 43,8 Prozent. Als Ursache dafür vermutet sie die Anzahl der geschossenen Tore. Als die Bundesliga noch in den Baby-Fußballschühchen steckte, trafen die heimischen Torbomber im Schnitt 3,5 Mal. Heute sind es weniger als drei Tore. Die Auswärtstreffer hingegen blieben halbwegs konstant.
Daheim zu spielen, heißt also nicht zwingend, zu gewinnen. Einen Hoffnungsschimmer bieten Heimspiele aber trotzdem: Professor Alan Nevill von der britischen Universität Wolverhampton widmete sich 1999 ebenfalls dem Thema und fand heraus, dass zumindest englische Schiedsrichter nur 30 Prozent aller Regelverstöße der Heimmannschaft ahnden.
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