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Sexuelle Gesundheit: Sind Sie ganz normal?

 

Penis zu kurz, Orgasmus zu früh, Erektion zu weich? Nun machen Sie sich mal locker – und lassen Sie sich den Sex-Spaß nicht durch Messlatten verderben. Die am weitesten verbreitete Form sexueller Unzufriedenheit hat keine organischen Ursachen, sondern ist heute dem Leistungsdenken geschuldet: Entspreche ich der Norm? Darüber sollten Sie sich keine Gedanken machen. Der Berater verrät, welche Normen in puncto sexuelle Gesundheit wirklich zählen.

Sexuelle Gesundheit ist ein Frage der Relation, in der Lust und Leid zueinander stehen. Und das am weitesten verbreitete sexuelle Leid wird heute, wie Sexualforscher wissen, durch die Vorstellung ausgelöst, einem gewünschten Maßstab – optisch oder im Verhalten – nicht zu entsprechen. Dass dieser verinnerlichte Vorwurf in vielen Fällen die eigentliche Ursache sexueller Unzufriedenheit ist, zeigt: Normen im Kopf sind die größte Erregungsspaßbremse beim Sex. Und Sex ohne Erregung – das ist bei Männern nicht zu machen. Daher gilt zuallererst: Vergessen Sie gesellschaftliche Erwartungen und Idealbilder! Man muss kein ganzkörperrasierter Adonis mit Riesenschwengel und zärtlich-romantischer Fantasiebegabung sein, um Spaß beim Sex zu haben, sondern erst mal nur ein Kerl, der mit sich selbst im Reinen ist.

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Sexuelle Gesundheit: Wieviel anders ist normal?

Glauben Sie nicht an Mythen

Dazu gehört, eigene Normabweichungen richtig einzuordnen: Zu dick, zu behaart, Penis zu klein? Gibt’s nicht. „Die Penisgröße hat keinen Einfluss auf die sexuelle Potenz. Die Scheide passt sich beim Koitus der Penisgröße an“, schreiben die Wissenschaftler Steffen Fliegel und Andreas Veith in ihrem Buch „Was jeder Mann über Sexualität und sexuelle Probleme wissen will“ (Hogrefe Verlag 2010). Ein weiterer Mythos, der darin zu Fall gebracht wird, lautet: „Richtige Männer haben keine sexuellen Probleme.“ Das ist grober Unfug. Sex ist nicht in jedem Lebensabschnitt gleich Sex, sondern es gibt ihn mal intensiver, häufiger, seltener – oder auch eine zeitlang mal gar nicht. Kein Grund, sich aufzuregen – denn genau das stört überhaupt erst Ihre sexuelle Gesundheit.

Fantasie ist meistens schmutzig

So wie jeder einzigartig und nicht in jedem Lebensalter derselbe ist, so sinnlos sind ständige Normen-Abgleiche. Die verursachen nur Therapiekosten, die Sie sich meistens sparen können. Dasselbe gilt für Ihre geheimen Lieblingsfantasien: Sind sie besonders schmutzig? Schön! Die Grenze zum Ungesunden beginnt erst dort, wo Sie selbst – oder andere – an Ihrer Leidenschaft leiden. Und das, was Sie in Fahrt bringt, ist meistens unnormal. „Merke“, schreiben Steffen Fliegel und Andreas Veith: „Was eine Fantasie auch erotisch macht, ist die Tatache, dass sie einen Teil des Lebens wiedergibt, der sich außerhalb der Verhaltensnorm befindet.“ Sie erniedrigen andere in Ihrer Fanatsie, träumen von Sex vor überraschten Zuschauern oder mit der betagten Nachbarin? Alles völlig im Rahmen, so lange Sie sich und andere damit nicht stören.

Dann wird es gefährlich

An dieser Stelle lässt sich nun aber tatsächlich eine wichtige Grenze zwischen sexueller Gesundheit und Ungesundheit definieren: Entsteht das Bedürfnis, eine stark vom „Normalen“ abweichende Fantasie in die Tat umzusetzen, kann die Grenze zur sogenannten Paraphilie überschritten und die Sache strafrechtlich relevant werden. Dann sollten Sie, sofern Sie keinen Ausweg finden, der Leid für Sie selbst und andere ausschließt, dringend therapeutische Hilfe suchen. Zu den wichtigsten Paraphililen zählen der Exhibitionismus, der Voyeurismus, Fetischismus, transvestitischer Fetischismus, die Pädophilie, der sexuelle Masochismus und Sadismus sowie der Frotteurismus. Letzterer bezeichnet das Bedürfnis, sich an Personen, die damit nicht einverstanden sind, zu reiben. Für manche harmloseren Paraphilien gibt es legale „Spielwiesen“, etwa japanische Bordelle, in denen sich Freier in nachgebauten U-Bahn-Abteilen bekleidet an ebenfalls bekleideten Prostituierten reiben. Gibt es keine legale Spielart Ihrer übermächtigen Fantasie, dann suchen Sie sich bitte professionelle Hilfe. Denn dann ist es vorerst vorbei mit Ihrer sexuellen Gesundheit.

Philip Wolff
 

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