Vegetarier sind voll im Trend. Es gibt zwar keine konkreten Zahlen. Fest steht aber: Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) hat seit seiner Gründung 1892 noch nie einen derartigen und anhaltenden Boom erlebt. Aktuell zählt er rund 5.000 Mitglieder, 2011 gab es einen Zuwachs von etwa 40 Prozent. Laut VEBU ernähren sich in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen vegetarisch, circa acht Prozent der Bevölkerung. Die Europäische Vegetarierunion (EVU) geht sogar von neun Prozent aus und listet Deutschland weltweit ganz weit vorne. Zum Vergleich: Länder wie Australien (3 %), Frankreich (weniger als 2 %), Großbritannien (6 %) oder Österreich (3 %) liegen nach Angaben der EVU deutlich hinter Deutschland.
Interessanterweise gibt es aber auch gegensätzliche Statistiken. So hat die Nationale Verzehrstudie II ermittelt, dass nur 1,6 Prozent der Deutschen Vegetarier sind. Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Zahlen? Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Viele wüssten gar nicht, was genau ein Vegetarier ist. Laut International Vegetarian Union (IVU) nämlich nur, wer auf sämtliche Produkte von toten Tieren verzichtet. Fisch ist also auch tabu. Und dann gibt es da noch Veganer, die gar keine tierischen Produkte, also auch keine Eier oder Honig essen. Viele lehnen sogar Kleidung aus Wolle oder Leder ab. Fruganisten gehen noch weiter und essen nur Früchte und Samen.
Der Respekt vor dem Leben treibt die meisten zu ihrer extremen Ernährungsweise. Viele halten fleischlos für besonders gesund. Doch stimmt das überhaupt? Tatsächlich ist Fleisch ein wichtiger Lieferant für Nährstoffe wie Eisen, Eiweiß, Zink und B-Vitamine. Deshalb raten Ernährungswissenschaftler Vegetariern, viel Milch, Nüsse und Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen. So wird der Eiweißhaushalt auch ohne Fleisch aufgefüllt. Vitamin B12 oder Jod können außerdem über Joghurt und Milch aufgenommen werden. Ein größeres Problem stellt Eisen dar. Es steckt zwar auch in vielen Pflanzen, wird vom Menschen aber in tierischer Form besser verarbeitet. Hier hilft Vitamin C, zum Beispiel in Form eines Orangensaftes.
Es gibt also Möglichkeiten, den Fleichmangel auszugleichen. Und in Zeiten von Rinderwahn, Schweinepest und Vogelgrippe ist vegetarisch sicherlich keine schlecht Alternative. Mediziner und Ernährungswissenschaftler raten dennoch inzwischen wieder mehr und mehr zu einer ausgewogenen, ganzheitlichen Ernährung. Ab und zu ein saftiges Steak kann also nicht schaden. Übrigens: Die Nationale Verzehrstudie II hat hier herausgefunden, dass Männer doppelt so viel Fleisch und Wurst essen wie Frauen - täglich etwa 103 Gramm. Bei Frauen landen täglich nur 53 Gramm auf dem Teller. Flexitarier heißt das Zauberwort. Sie essen nicht viel Fleisch, verzichten aber auch nicht komplett darauf.
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