Kaffee trinken zum Frühstück, im Büro, nach dem Mittagessen: Es ist eine der liebsten Angewohnheiten der Deutschen. Und wie alle Angewohnheiten stand sie lange Zeit im Verdacht, schlecht zu sein. So ist bekannt, dass Kaffee treibt, und zwar den Konsumenten zur Toilette. Denn ein Inhaltsstoff befiehlt über einen komplizierten Botenstoffweg den Nieren, mehr Flüssigkeit auszuscheiden. Kaffee entzieht dem Körper demnach Wasser, lautete die lange Zeit gültige Schlussfolgerung. Darüberhinaus kennt jeder die anregende Wirkung von Kaffee, denn er erhöht den Blutdruck. Dass dies angesichts der Todesursache Nummer eins bei Männern, der Herz-Kreislauf-Erkrankung, nicht gerade gesund sein kann, stand bis vor einigen Jahren außer Frage. Kaffee galt als krankmachende Droge. Doch mittlerweile sind die Effekte des Kaffeetrinkens gut untersucht, und das Bild hat sich gewandelt.
In Studien zeigte der britische Physiologieprofessor Ron Maughan von der University of Loughborough in Leicestershire während der letzten Jahre wiederholt: Für den Flüssigkeitshaushalt des Körpers ist es bei moderaten Trinkmengen nahezu gleichgültig, ob man koffeinhaltige oder koffeinfreie Getränke zu sich nimmt. Bei höheren Mengen – einer vierten oder fünften Kaffeetasse an einem langen Arbeitstag – werde es aber auch nicht kritisch, denn: Wer viel Kaffee gewohnt ist, bei dem zeigt sich der Effekt der Entwässerung kaum noch. Dasselbe gilt ernährungswissenschaftlichen Studien zufolge auch für den Einfluss von Kaffee auf den Blutdruck. Und die Moral dieser Ergebnisse? Wer regelmäßig Kaffee trinkt und dem Körper eine gewisse Zufuhr antrainiert hat, bei dem fallen die einst gefürchteten Nebenwirkungen nicht ins Gewicht. Unterschiede im Blutdruck von Kaffeekonsumenten und Kaffee-Abstinenzlern ließen sich in großen Untersuchungen bislang nicht feststellen.
Kaffee trinken ist aber nicht nur unschädlich, sondern regelrecht gesund. Wer Kaffee trinkt, tut nach Studien des amerikanischen Chemieprofessors Joe Vinson von der University of Scranton seinem Körper so viel Gutes wie jemand, der auf ausreichend Gemüse in seinem Speiseplan achtet. Gemüse gilt als besonders gesund, weil es viele Antioxidantien enthält, die freie Sauerstoffradikale abfangen und deren schädliche Wirkung unterbinden. Vinson stellte fest, dass sich viele seiner Landsleute mit den Antioxidantien, die in Kaffee enthalten sind, lebenswichtige Stoffe zuführen.
Freie Sauerstoffradikale sind die Hauptfeinde eines langen Lebens in Gesundheit. Sie entstehen nach der Nahrungsaufnahme bei der Zuckerverbrennung in den Körperzellen und bedingen sowohl deren Alterung wie auch die Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem uns hauptsächlich betroffenen Männer tut das koffeinhaltige Bohnengetränk also viel mehr Gutes, als dass es uns schadet. Von der anregenden Wirkung des Kaffees und der guten Laune, die er macht, einmal abgesehen, lautet die Empfehlung: Ran an die Maschine und – so oft uns danach ist – einen kräftigen Kaffee trinken!
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