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Da geht’s lang – Orientierung im Gelände

 

Ein Mann sollte immer wissen, wo’s lang geht. Dazu muss er im Bilde sein: wo er ist, woher er kommt und wohin er will. Das gilt ganz allgemein für Ihr Leben – aber das gilt auch ganz speziell für Ihre Ausflüge ins Freie. Woher weiß ich, wo ich bin, wo Norden ist und wo Süden? Wie finde ich auf der Karte den Ort, an dem ich bin? Und wie mache ich einen gegebenen Ort aus der Karte in der Realität aus? Der Berater kennt die besten Tricks zur Orientierung im Gelände.

Wo die Sonne auf- und wo sie untergeht; wo Norden ist und wo Süden; woher Sie kommen und wohin Sie wollen: Ein Mann sollte nicht planlos durch die Gegend stolpern, ein Mann muss sich orientieren können. Wenn Sie unsere Ratschläge befolgen, finden Sie nicht nur in die nächste Parklücke oder an den übernächsten Barhocker, sondern können der Welt immer ganz genau erklären, wo’s langgeht.

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Orientierung im Gelände: Ohne Schilder wird's schwierig

Wir Orientierungskrüppel

Unsere Vorfahren in der Savanne wussten noch, wo es die frischesten Mammuts zu erlegen gab und wo Mann ein paar Dinosauriereier stibitzen konnte. Die Herrschaften mit den Faustkeilen mussten das auch, Orientierung im Gelände war für sie lebensnotwendig. Dabei halfen ihnen häufig gerademal der Nordstern, der Moosbewuchs an den Bäumen und die Windzeichen. Wir allerdings wachsen mit Navi, Google Maps und automatischer Einparkhilfe auf, die wenigsten von uns waren schon einmal auf Fährtensuche in freier Wildbahn. Deshalb nimmt tendenziell die Orientierungsfähigkeit des Homo Sapiens immer weiter ab. Es gibt Menschen, die kommen mit einer guten Orientierungsfähigkeit auf die Welt und andere mit einer weniger guten. Aber üben, trainieren und verbessern lässt sich der Orientierungssinn bei allen!

Die Natur hilft

Unser wichtigster Planet, um den wir Erdlinge ständig kreisen, geht im Osten auf, steht mittags im Süden und verschwindet im Westen. Der Wind weht in unseren Breiten meistens aus Westen, das heißt, dass die Bäume meistens nach Osten gebogen sind und das Moos meistens auf deren Nordwestseite wächst. Ameisenhaufen finden Sie stets auf der Südseite von Bäumen oder Büschen. Der Nordstern steht im? Norden, richtig! Sie finden Ihn, wenn Sie im Großen Wagen den Abstand der beiden hinteren Sterne (Wagenachse) rund sieben Mal verlängern. Prägen Sie sich also die wichtigsten Sternbilder ein, und Sie können sich auch nachts orientieren – zumindest bei klarem Himmel. Übrigens: Die meisten Kirchen sind so gebaut, dass der Altar – das Symbol des aufgehenden Lebens – im Osten des Gotteshauses steht, da wo die Sonne aufgeht. Der Turm steht meistens auf der Ostseite. Nur verlassen können Sie sich darauf nicht.

Die Karte hilft

Eine Karte lesen und interpretieren zu können, ist der Königsweg zur Orientierung im Gelände. Auf Karten ist der Norden – fast – immer oben. Deshalb sollten Sie, wenn Sie eine Tour oder einen Ausflug planen, Ihre Karte immer „norden“, also mit Norden nach oben vor sich legen. Unterwegs allerdings sollten Sie die Karte so ausrichten, wie das Gelände vor Ihnen liegt. Vergleichen Sie die Natur mit ihrem Abbild: Vergleichen Sie, wie weit jener in der Karte eingezeichnete Bach tatsächlich vom Weg entfernt ist etc. Je häufiger Sie das machen, desto präziser können Sie eine Karte lesen – und desto besser wird Ihre Orientierung.

Der Kompass hilft

Die alten Griechen und die noch älteren Chinesen wussten, wie man den Kompass nutzt. Wir haben es meistens verlernt. Kaufen Sie sich also einen Kompass – mit den Kompassen der Schweizer Armee können Sie zum Beispiel nichts falsch machen – und Ihr Pfadfinder-Opa hat wieder einen Grund, stolz auf Sie zu sein! Den eigenen Standort können Sie feststellen, wenn Sie im Gelände zwei markante Punkte (Berggipfel, Kirchtürme o.ä.) anpeilen, die idealerweise im 90-Grad-Winkel zueinander liegen. Am Kompass messen Sie die Richtungswinkel zu beiden Punkten, tragen sie in Ihre Karte ein – und am Schnittpunkt beider Punkte befinden Sie sich. Um einen Punkt aus dem Gelände in der Karte wiederzufinden, müssen Sie ihn anpeilen, den Kompass auf dem eigenen Standort im gemessenen Richtungswinkel anlegen – und wenn Sie die Entfernung zu der Kirche, dem Berg oder der Flussbiegung dahinten halbwegs einschätzen können, haben Sie den Ort schon auf der Karte gefunden!

„Mein GPS weiß Bescheid“

Sie glauben, Ihr GPS oder Navi-System kümmert sich um alles? Geräte können kaputt gehen, Batterien können leer sein, und die US-Militärs können Ihnen immer einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn nämlich gerade Krieg angesagt ist, und das Pentagon die Genauigkeit der Satellitendaten von 2 auf 100 Meter herunterfährt. Also: Um eigenständige Orientierung kommen Sie nicht herum.

Orientierungsfehler vermeiden

Wenn die Süße auf dem Beifahrersitz Ihnen vorschlägt: „Ach lass uns doch jemanden nach dem Weg fragen“, dann hören Sie bloß nicht auf sie! Wer weiß schon, ob ein Einheimischer wirklich ein Einheimischer ist? Und ob der überhaupt weiß, wo’s langgeht? Und ob er Ihnen, wenn er das nicht weiß, auch sagt, dass er es nicht weiß? Selbst wenn Sie Fuß- oder Skispuren finden, wissen Sie nicht, ob die Spuren korrekt sind oder ob sich wer verirrt hat. Kümmern Sie sich lieber selbst um Ihre Orientierung im Gelände – und Sie sind immer auf dem richtigen Weg.

Christian Thiele
 

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