Ein edleres Boot als die Pedrazzini? Kann sich selbst der Berater nicht vorstellen. Der Ort Bäch im Kanton Schwyz am Südufer des Zürichsees ist die Geburtsstätte für eine selten gewordene Spezies: Holzboote von höchster Anmut. 15 traditionell ausgebildete Bootsbauer stecken rund 4000 Arbeitsstunden in jedes Boot. Drei Modelle stehen zur Wahl: Special, Vivale und Capri Super Deluxe. Sie alle tragen einen Namen, der an vielen Ufern der Welt mit Bewunderung ausgesprochen wird: Pedrazzini. Manche Parallelen sind einfach zu schön. Ziemlich genau neun Monate dauert es, bis ein neues Baby den Bauch der kleinen Werft am Zürichsee verlässt. Bis aus einem Haufen Edelholz ein elegantes Sportboot entstanden ist. Wenn der neue Besitzer dann zusieht, wie sein Schatz feierlich zu Wasser gelassen wird und die hochglanzpolierte Haut aus 24 Lackschichten in der Sonne funkelt, können auch bei einem Bootsbesitzer Vatergefühle aufkommen. Dieses zauberhafte Wesen wird er beschützen wie sein eigenes Fleisch und Blut.
Während die legendäre Riva, das Boot eines Gunter Sachs und all der anderen frühen Playboys, bereits seit 1969 einen Rumpf aus schnödem Polyester hat, sind Boesch und Pedrazzini die letzten Helden des klassischen Holzbootsbaus. Wobei Boesch als der Mercedes unter den Runabouts gilt. Und Pedrazzini als der Maybach. Denn Claudio Pedrazzini, Firmenpatron in dritter Generation, legt Wert darauf, dass seine Bootsrümpfe in so genannter „doppeldiagonaler Formverleimung“ gebaut werden, der kompliziertesten aller Konstruktionen. Statt aus einer einzelnen dicken Lage Mahagoni-Sperrholz besteht ein Pedrazzini-Rumpf aus drei Schichten. Zunächst werden zwei je 4,5 Millimeterdicke Mahagoni-Latten über Kreuz auf das Spantengerüst geleimt, bevor dann die großflächige und besonders sorgfältig ausgesuchte Deckplatte aufgeleimt wird. So sind viele Formen möglich, beispielsweise das Bootsheck, das konkav, also zu allen vier Ecken gebogen ist – Erkennungsmerkmal aller Runabouts aus Bäch.
Rund zwei Monate liegt das Boot kopfüber, erst danach kann es für den Innenausbau gedreht werden. Dünne Leisten aus kanadischer Weißfichte werden in sorgfältig ausgefräste Nuten im Deck gesetzt und plan geschliffen. Die Badeplattform wird aus Teak gearbeitet, die Armaturen in Wurzelholz gefasst. Verchromte Beschläge bringen den dunklen Lack geradezu zum Leuchten. Sogar die Schlitze in den Schraubköpfen sind alle penibel ausgerichtet. Schlussendlich wird ein Motorendoppel mit bis zu 760 PS eingebaut — und ein weißes Cabriolet-Verdeck schließt das Kunstwerk ab.
Bei 150.000 Euro beginnt die Vaterschaft. Abhängig von Sonderwünschen, zahlt so mancher auch 600.000 Euro für sein Boot. Die Wartezeit für das Top-Modell Special liegt derzeit bei nur zwölf Monaten. Denn — und das ist anders als im echten Leben — die Pedrazzinis schaffen sechs bis acht Babys pro Jahr.
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