Die Industrie überbietet sich mit neuen Erfindungen. Gerade haben wir uns den angeblich neuesten, coolsten, schärfsten Fernseher mit HDTV-Technik zusammengespart, da wird bereits die nächste Technik präsentiert: 4K, angeblich noch schärfer und noch cooler. Doch gehört HDTV damit schon zum alten Eisen?
4K wird auch "Quad-Full-HD" genannt und bezeichnet eine Bildschirmauflösung, die etwa die vierfache Anzahl Bildpunkte als HDTV aufweist. Das Bild auf einem 4K-Fernseher hat doppelt so viele Bildpunkte in der Höhe und doppelt so viele in der Breite, also insgesamt acht Megapixel statt zwei.
Doch können wir deshalb auch ein besseres Bild erwarten? Leider nein, denn: Es gibt noch gar kein Bildmaterial in der nötigen Qualität. Weder Fernsehsendungen noch Blu-ray-Filme werden in 4K-Auflösung hergestellt. Mehr noch: Die neue Supertechnik verlangt extreme Bandbreiten von der Verkabelung und den Stecksystemen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen zwar HDMI-Anschlüsse zur Verfügung, doch die Industrie weiß selbst noch nicht, ob diese den Ansprüchen genügen.
Es ist also ein bisschen so, als würde ein Autohersteller ein Modell bauen, das 1000 km/h in der Stunde fahren kann, aber nicht weiß, welche Reifen dafür geeignet sind. Kein Autohersteller aber würde sich so etwas je trauen. Nur die Unterhaltungselektronikindustrie prescht immer wieder voreilig mit neuen Erfindungen, Anforderungen und Logos vor - um sich danach zu wundern, dass die Kunden völlig verwirrt sind. Viele schrecken vor dem Kauf eines neuen Fernseher ganz zurück und bleiben stattdessen bei ihrem Uralt-Gerät. Man kann es ihnen nicht verdenken. Wer jetzt also noch einen normalen Fernseher, vielleicht gar eine Röhre, besitzt, kann die Erfindungs-Eskapaden der Industrie ganz in Ruhe aussitzen.
Noch im Jahr 2012 werden die ersten 4K-Fernseher auf den Markt kommen. Zu horrenden Preisen, versteht sich. Toshiba verlangt für ein 140-cm-Gerät 8000 Euro, LG für einen 213-cm-Bildschirm sogar 10.000 Euro. Sony hat einen Blu-ray-Player in Arbeit, der DVDs und Blu-rays auf das neue 4K-Verfahren hochrechnen kann.
Immerhin: Auch Fotos werden auf den neuen Superbildschirmen optimiert - und in ungewöhnlicher Schärfe sowie Detailtiefe dargestellt. Und 3D-Material für Polarisationsbrillen (die die Zahl der Bildpunkte halbieren) wird dank der Umrechnung wieder im vollen Format mit 1080 Bildpunkten dargestellt. Doch um diesen Effekt zu erzielen, ist auch einer der teuren 4K-Bildschirme nötig. Ob das den Preis wert ist, werden die meisten Kunden vorerst nicht nachvollziehen können.
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