Die Aufgabe einer gewöhnlichen Brille besteht darin, die graue Wirklichkeit möglichst scharf darzustellen. Daran ändert auch das teuerste Gestell nichts, und gefärbte Gläser tauschen das Grau nur gegen einen anderen Farbton. Doch es gibt Alternativen: Multimedia-Brillen, die Sie in andere Welten entführen. Wie wäre es etwa mit einem Ausflug nach Hollywood? Das geeignete Vehikel dafür ist die etwa 400 Euro teure Cinemizer Plus, eine Videobrille, die vom deutschen Optikspezialisten Zeiss hergestellt wird. Was Cinemizer kann, verrät schon der Name: Die Brille lädt ins Kino ein. Am komfortabelsten kann sie das zusammen mit einem Video-iPod oder iPhone, denn Zeiss liefert spezielle Adapter für die Apple-Player mit. Doch auch am portablen DVD-Player findet sich der passende Anschluss. Setzt man die etwas klobig wirkende Multimedia-Brille auf die Nase, scheint ein Flachbildfernseher in einiger Entfernung zu schweben. Der Bildeindruck ist gut – deutlich besser etwa als die typische Bordunterhaltung, selbst in der Business-Class. Mit dem geeigneten Quellmaterial (davon gibt es bisher aber zu wenig) könnte die Cinemizer Plus sogar 3D-Inhalte darstellen.
Wer sich nach so viel Bildgewalt selbst in den Regiestuhl setzen will, könnte es mit der etwa 200 Euro teuren Eagle-I Evolution 4 probieren. Vor allem, wenn eine Karriere als Dokumentarfilmer (oder gar als Agent) angestrebt wird. Diese Brille schneidet alles mit, was ihr Besitzer sieht. Die Auflösung liegt dabei bei 736 x 480 Punkten – der Hersteller nennt das etwas übertrieben „Near HD“. Mit High Definition hat das aber wenig zu tun – das Bild ist nur etwas breiter als im Standard-TV-Format PAL. Auf die eingebauten zwei Gigabyte Speicher passen rund vier Stunden Video, man kann das Fassungsvermögen der in drei Designs erhältlichen Brille aber auch mit Speicherkarten erweitern. Der Eagle-I 4 recht ähnlich ist die OctaCam MP3-Sonnenbrille. Auch sie kann das Leben um ihren Besitzer herum in bewegten Bildern festhalten. Auf Wunsch fertigt sie auch Schnappschüsse an. Größter Vorteil der nur 80 Euro teuren Multimedia-Brille ist aber, dass sie auch den iPod ersetzt: Von ihren 4 Gigabyte Speicher spielt die Kamera-Brille digitale MP3-Musik ab.
Das ungewöhnlichste Brillen-Konzept in dieser Runde kommt zweifellos vom schwedischen Luxus-Bettenhersteller Hästens. Das MindSpa lockt seinen Besitzer nicht wie die Cinemizer in Hollywoods Traumwelten, sondern in seine eigenen. Ein spezielles Entspannungskonzept steckt hinter den Blitzen und Tönen, die die Brille über einen steinzeitlich wirkenden Ur-iPod erst in die Augen und dann in die Gedanken ihres Trägers einschleusen will. Ein Test, standesgemäß in einem Hästens-Bett, zeigt, dass die Entspannungswirkung tatsächlich eintritt. Der Hersteller verspricht allerdings auch, dass man durch die Nutzung unterschiedlicher Programme noch weitere Effekte erreichen kann – sei es mehr Konzentration, ein tieferer Schlaf oder ein verbessertes Denkvermögen. Der Preis dieser Multimedia-Brille ist mit 1000 Euro allerdings nicht ganz niedrig.
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