Die Situation kennen die meisten Fahrzeuglenker: Die Tankanzeige nähert sich der Null, als am Straßenrand das Leuchtschild eines großen Mineralölkonzerns neue Flüssignahrung fürs Auto verspricht. Die Beifahrerin hat natürlich sofort die Preisliste im Blick - und was folgt? Eine Predigt, dass die Tankstelle vorhin doch viel günstiger gewesen sei, warum man denn nicht rechtzeitig habe vorsorgen können – und weiter geht die Litanei. Wäre es vielleicht doch besser, noch ein paar Kilometer zur nächsten Tankstelle zurückzulegen? Neue, intelligente Navigationsgeräte beantworten solche und ähnliche Fragen. Sie sind dauernd per Mobilfunk mit dem Internet verbunden und holen sich dort, was ihr Hersteller ihnen einprogrammiert hat. Das reicht von Informationen über Flugverspätungen, Spritpreise, Staus und freie Parkplätze bis hin zum Wetter. Aber wie nützlich sind die Dienste wirklich?
Die niederländische Firma TomTom setzt schon seit einiger Zeit auf das neuartige Konzept: „Live-Dienste“ heißt der Service hier. Nach den ersten drei Probemonaten, die beim Kauf eines Live-fähigen Navis wie des TomTom Go 950 Live inklusive sind, wird eine monatliche Pauschale von 9,95 Euro fällig. Damit sind sämtliche Übertragungsgebühren abgegolten – und zwar in allen europäischen Ländern, in denen die Live-Dienste angeboten werden. Man läuft also nicht wie als Mobilfunkkunde Gefahr, auf Reisen hohe Roaming-Gebühren zahlen zu müssen. Ob sich die Monatsgebühr jedoch bezahlt macht? Das hängt davon ab, wieviel man fährt. Die mögliche Ersparnis dürfte bei höchstens fünf Cent pro Liter liegen, denn wunderbarerweise setzen nah beieinander liegende Tankstellen meist auf sehr ähnliche Preise. Und kilometerweite Umwege, nur um einen weiteren Cent zu sparen, sind eher kontraproduktiv. Damit muss etwa 200 Liter tanken, wer die monatliche Abogebühr refinanzieren will. Die genauen Verkehrsinformationen, TomTom nennt sie HD-Traffic, sind zwar gut und schön – Statistiken zeigen aber, dass der Zeitspareffekt einer Stauumfahrung eher gering ist. Infodienste: Spritpreise, Wetter, HD-Traffic, Lokale Google-Suche, Blitzerwarner
Medion, als Elektronik-Lieferant eines deutschen Lebensmittel-Discounters bekannt geworden, versucht sich längst auch an eigenen, innovativen Geräten. Ein Beispiel dafür ist das Medion GoPal P4635, das es der Konkurrenz aus den Niederlanden und den USA in Sachen Informationsvielfalt wirklich zeigt. Vor allem der Tankstellen-Preisvergleich überzeugt. Im Stichprobentest zeigte das Gerät zu etwa neun von zehn Tankstellen Preise an, und zwar für Super, Super Plus und Diesel. Diese entsprachen in der Regel auch der Realität und zwar aufgerundet auf Cent. So kann man nun wirklich anhand der Entfernung abschätzen, ob sich der Abstecher lohnt – für einen Cent Differenz vielleicht nicht, für fünf oder acht aber schon. Nicht ganz so aussagekräftig ist das P4635, wenn es um Parkplätze geht. Zwar kennt es jede Menge Parkgelegenheiten mit ihrer maximalen Kapazität. Und es hat auch einige Geheimtipps parat, wo man, ganz ohne zu bezahlen, sein Auto abstellen kann. Aber die Quote der Parkhäuser, zu denen das Navi auch die aktuelle Belegung kennt, ist derzeit noch gering, sie liegt bei schätzungsweise 20 Prozent. Wenn das Gerät die Daten abrufen kann, dann sind sie aber auch wirklich korrekt – das haben praktische Versuche bestätigt. Vorbildlich: Der Online-Service ist in den ersten 24 Monaten nach Gerätekauf kostenlos, danach kann man ihn für 50 Euro im Jahr hinzubuchen. Er gilt allerdings nur in Deutschland. Als Navigationsgerät ist das GoPal P4635 allerdings eher durchschnittlich. Zum einen stört der verspiegelte Bildschirm. Doch auch die Kartendarstellung ist im Vergleich zur Konkurrenz (insbesondere TomTom) weniger übersichtlich. Immerhin bietet das Gerät eine Sprachausgabe (auch bei Verkehrsstörungen) und sogar eine Sprachsteuerung, die in den Grenzen der Technik gut funktioniert. Infodienste: Spritpreise, freie Parkplätze, Wetter, lokale Google-Suche, Staus
Das nüvi 1690 ist das erste Navigationsgerät des amerikanischen Spezialisten, das sich via Mobilfunk Updates holt – Garmin nennt den Service „nülink“. Im nüvi 1690 hat die Firma dafür sogar den normalen Verkehrsfunkempfang per TMC weggelassen – wer die Infodienste nicht für 79 Euro jährlich abonniert, bekommt nach dem ersten, kostenlosen Jahr keine Verkehrsnachrichten mehr aufs Gerät. Lohnt sich die Ausgabe? Das hängt davon ab, was man erwartet. Zumindest lässt sich keine Ersparnis in Heller und Pfennig ausrechnen, weil Garmins nülink noch keine Benzinpreise kennt. Dafür weiß das nüvi 1690, ob Ihr Flieger Verspätung hat – so können Sie sich beim Losfahren vielleicht doch noch etwas Zeit lassen. Nicht ganz so nützlich ist dagegen der Wetterbericht. Die eingebaute Points-of-Interest-Datenbank wird durch eine lokale Google-Suchmöglichkeit ergänzt. Verkehrsinformationen landen ebenfalls via Mobilfunk auf dem Gerät – im Vergleich zu den Radio-Ansagen waren hier im Testzeitraum keine wesentlichen Vorteile festzustellen. Sehr praktisch ist hingegen das eingebaute Telefonbuch: Über den Namen oder die Rufnummer macht es eine Adresse ausfindig, zu der das nüvi 1690 dann führen kann. Als reines Navigationsgerät macht das nüvi 1690 übrigens eine sehr gute Figur. Bei der Kartendarstellung zieht Garmin die Übersichtlichkeit der Wirklichkeitsnähe vor. So sieht die Umgebung zwar nicht so hübsch aus, man erfasst aber schneller, wohin die Reise geht. Ungewöhnlich, aber zeitgemäß ist die „Ecoroute“-Funktion. Damit berechnet das Navi nicht nur die verbrauchsärmste Strecke – es schreibt auch Informationen über den Fahrstil seines Besitzers mit. Wie oft hat er beschleunigt und gebremst, lässt sich da vielleicht noch etwas optimieren? So merkt man auch sehr schnell, ob sich eine umweltschonende Fahrweise wirklich auszahlt. Gerät: Garmin nüvi 1690, 350 Euro, Infodienste: Staus, Flugverspätungen, Wetter, lokale Google-Suche, Wechselkurse, Telefonbuch
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