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Ohne Reue ein gebrauchtes Motorrad kaufen

 

Ein Motorrad kaufen: Auf dem Bike-Markt sind viele fahrende Schrotthaufen unterwegs. Wie man ein Schnäppchen erkennt und nötige Reparaturen kalkuliert. Eine Kaufberatung

Wer sich ein gebrauchtes Motorrad kaufen will, sollte genau hinschauen: Nur der Blick auf den Kilometerzähler und auf das Baujahr sagen wenig aus über den Verschleiß und mögliche Schäden eines Fahrzeugs. Nicht selten verbirgt sich hinter einer Chromglänzenden Fassade eine Ruine. Auch wenn ein Schrotthaufen hier schwieriger als beim Auto erkennbar ist, können einige Indizien uns vom Fehlkauf abhalten.

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Motorrad kaufen: Bei einem gebrauchten sollte man genau hinschauen

Lange Standzeiten schaden Motor und Fahrwerk

- Fahrzeugdaten: Auch wenn der Kilometerzähler relativ leicht manipulierbar ist, kann er doch etwas aussagen: Indem man ihn mit der Anzahl der Vorbesitzer und dem Alter des Fahrzeugs in Relation setzt. Denn wenn angeblich jeder der Vorbesitzer pro Jahr nicht mehr als tausend Kilometer gefahren ist, sollte das misstrauisch machen. Gibt der Verkäufer an, das Motorrad sei einige Jahre nicht benützt worden, hört sich das schon wahrscheinlicher an. Doch lange Standzeiten mindern den Wert, da Korrosion und Ablagerungen dem Fahrwerk und dem Motor schaden. Auch wenn Sie viele Reparaturen vielleicht selbst durchführen wollen, sollten Sie doch hart kalkulieren, ob sich das lohnt – zumindest können Sie die Schäden beim Verhandeln des Preises auf den Tisch bringen. Einen Blick auf die Fahrgestellnummer sollten Sie, bei allem Vertrauen, immer riskieren. Denn wenn Sie ein gestohlenes Motorrad kaufen, ist das Ihr Risiko – den finanziellen Schaden ersetzt Ihnen niemand.

Optische Schäden mindern den Wert

- Verschleißteile: Kette, Reifen und Bremsbeläge zu checken ist ratsam: Denn auch wenn diese Teile leicht auszutauschen sind, kosten sie doch eine Menge Geld (Eigenleistung 300 bis 500 Euro, Werkstatt 400 bis 700 Euro). Der Zustand dieser Teile sagt übrigens auch eine Menge darüber aus, wie der Vorbesitzer das Gefährt behandelt hat. - Optik: Selbst wenn Ihnen das Äußere eines Bikes egal sein sollte – hier ergeben sich gewaltige Wertminderungen. Weisen Tank und Seitendeckel noch die Originallackierung auf? Ist der Chrom an Schutzblech, Auspuff und Lenker etc. verrostet oder abgeplatzt? Hat die Sitzbank einen Riss? Diese augenfälligen Alterungen sollten Sie unbedingt beim Feilschen aufzählen.

Motorschaden? Laien sollten sich ein anderes Motorrad kaufen

- Motor: Zuallererst empfiehlt sich eine optische Untersuchung: Tropft der Motor, sind die Simmeringe undicht oder etwa Dichtungen am Zylinder? Wurde irgendwo von außen abgedichtet? Wenn bei der Besichtigung der Motor bereits warm ist, sollte Sie das misstrauisch stimmen. Denn der Antrieb sollte sofort und auch in kaltem Zustand anspringen. Eine Kompressionsmessung (Prüfer kann man bei Werkstätten ausleihen) sagt eine Menge über den Zustand aus: Liegt der Wert unter 9 Bar, so ist vermutlich das Treibwerk verschlissen. Beim laufenden Motor genau hinhören: Klappert etwas? Manche Zusatzgeräusche sind in kaltem Zustand normal. Fragen Sie den Besitzer, wann die Steuerkette und die Ventile zuletzt eingestellt wurden. Wenn die Geräusche beim Warmwerden nicht verschwinden, Finger weg! Schleif- oder Quietschgeräusche im Lauf deuten auf einen Lagerschaden und eine umfangreiche Reparatur hin. Wenn der Motor das Standgas nicht korrekt hält, liegt dies vermutlich an einem Vergaserproblem. Eine Motorüberholung ist wohl die teuerste Reparatur überhaupt: Hier sollte man klar durchrechnen, ob der Wert des Fahrzeugs eine solche rechtfertigt (Eigenleistung 400 bis 900 Euro, Werkstatt 1000 bis 2000 Euro, ja nach Typ) und ob man sich nicht ein anderes Motorrad kaufen sollte.

Unfallschäden erkennt man kaum mit dem Auge

- - Fahrwerk: Einen besonderen Blick verdient die Vorderradgabel. Wenn Sie das Fahrzeug hinten belasten und der Lenker beim Hin- und Herbewegen in Geraudeaus-Stellung „einrastet“, ist wahrscheinlich das Steuerlager verschlissen. Das ist kein Beinbruch, es muss jedoch ausgetauscht werden (Eigenleistung ca. 80 Euro, in der Werkstatt ca. 150 bis 200 Euro). - Wie sehen die Tauchrohre der Gabel aus, ist mehr Öl als ein feiner Schmierfilm vorhanden? Dann sind wohl die Simmeringe beschädigt (Eigenleistung ca 60 Euro, Werkstatt 200 Euro). Beim Einfedern der Gabel darf nichts behindern, ebenso wenig hinten an der Schwinge. Hat diese zuviel Spiel? Ein neues Schwingenlager ist nicht teuer, aber eine etwas aufwendige Arbeit (Eigenleistung ca 50 Euro, Werkstatt 150 Euro). - Hat der Vorbesitzer hinten die Federbeine oder das Monofederbein nachgerüstet, lassen Sie sich den TÜV-Eintrag oder das TÜV-Gutachten zeigen. - Einen Unfallschaden werden sie schwerlich per Auge erkennen, jedoch sollten Sie beim Fahrversuch darauf achten, ob das Motorrad auf eine Seite zieht oder in der Kurve eigenartig reagiert.

Finger weg bei sichtbaren Elektro-Basteleien!

- Alles mit Benzin: Ein Blick in den Tank sollte nicht fehlen. Denn ist der Behälter innen verrostet, deutet das zum einen auf lange Standzeiten hin, zum anderen wird es Probleme mit Dreck im Vergaser geben. Abhilfe schaffen eine gründliche Reinigung von Tank und Vergasern sowie eine Innenversiegelung des Tanks (Eigenleistung ca 50 Euro). - Elektrik: Erkennen Sie am Kabelbaum oder an Schaltern Basteleien oder Improvisationen, ist Vorsicht geboten: Die Motorradeelektrik ist im Regelfall eine filigrane Sache, bei der auch Profis gerne verzweifeln. Wenn Licht oder Blinker nicht funktionieren, Glühbirnen und Sicherungen checken. Wenn Sie all diese Punkte beim Besichtigen beachten, werden Sie sicherlich nicht auf die Nase fallen, wenn Sie sich ein Motorrad kaufen. Abzuklären wäre vielleicht bei älteren Modellen noch die Ersatzteilversorgung und der generelle Marktwert. Ansonsten: Viel Glück und viel Freude beim Motorrad kaufen!

Klaus Mergel
 

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