Die MPU ist für viele Verkehrssünder eine Horrorvorstellung. Im Volksmund heißt diese Untersuchung „Idiotentest“, die exakte Bezeichnung lautet „Medizinisch-Psychologische Untersuchung. Wer am Steuer Mist gebaut hat und – neben einem Führerscheinentzug – mit der MPU konfrontiert ist, findet im Internet hunderte an Angeboten, bei denen vollmundig das Bestehen der MPU versprochen wird, teilweise sogar mit „Erfolgsgarantie“. Gegen eine saftige Gebühr, versteht sich. Doch nicht wenige dieser Anbieter sind unseriös. „Ein Arzt verspricht Ihnen schließlich auch keine Erfolgsgarantie“, sagt Thomas Wagenpfeil, Kommunikationsleiter beim TÜV Süd. Wagenpfeil weiß, wovon er spricht: Der Verkehrspsychologe hat schon zahlreiche Verkehrssünder zur MPU begleitet. Er ist auch Verfasser des Ratgebers „Der Testknacker bei Führerscheinverlust“ (Goldmann, 7,95 Euro).
Im Wesentlichen sind es drei Vergehen, die einen Autofahrer zur MPU bringen, letztlich ist sie immer freiwillig. Am häufigsten – mit gut 60 Prozent – ist es Alkohol am Steuer. Entweder man wird mit mindestens 1,6 Promille erwischt, oder wiederholt bei einer Trunkenheitsfahrt innerhalb von zehn Jahren: In diesem Fall ist die Promillehöhe egal. Darauf folgen – mit knapp 20 Prozent – Fahrer, die unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug lenkten. Außerdem winkt die MPU Verkehrssündern, die in Flensburg mindestens 18 Punkte angesammelt haben – egal, ob wegen Zuschnellfahrens, übersehenen, roten Ampeln oder anderen Delikten.
Auch wenn viele die MPU als Strafe empfinden: Sie ist es nicht. „Sie soll prüfen, ob jemand zum Führen eines Kraftfahrzeugs geeignet ist“, sagt TÜV Süd-Mann Wagenpfeil. Denn Studien zeigen: Bis zu 40 Prozent aller Alkoholsünder werden innerhalb von fünf Jahren wieder rückfällig. Und der Test soll klären, ob jemand sein Verhalten so weit geändert hat, dass man ihn guten Gewissens ans Steuer lassen kann: Man darf nicht vergessen, dass ein Auto zur tödliche Waffe werden kann. Dennoch ist es nicht der Staat, der die MPU durchführt, sondern 19 amtlich anerkannte Träger. Sie bietet die MPU in deutschlandweit 250 Begutachtungsstellen an, darunter TÜV Süd mit etwa 50.
Was jedoch passiert bei der MPU? Beim medizinischen Teil checkt ein Arzt die körperlichen Merkmale, ob ein Betroffener seinen Umgang mit Drogen oder Alkohol geändert hat. Durch einem Urintest oder die Überprüfung der Leberwerte. Auch der psychologische Test ist – entgegen der Volksmeinung – harmlos. „Das ist weder Intelligenztest noch Psychotest. Und es sind auch keine Computerkenntnisse nötig“, beruhigt Verkehrspsychologe Wagenpfeil. Dabei wird lediglich die Reaktion geprüft: rotes Lämpchen, rote Taste etc. 90 Prozent der Kandidaten bestehen dies auf Anhieb. Nur Fälle von massivem Alkoholmissbrauch oder schwerster Drogenabhängigkeit, die starke Nervenschädigungen verursachen, fallen hier durch. Wirklich entscheidend ist jedoch das Untersuchungsgespräch: Es dauert etwa eine Stunde und ist ein Gespräch zwischen einem Verkehrspsychologen und dem Verkehrssünder.
Und hieran erkennt man die unseriösen Anbieter der MPU-Vorbereitung: „Es gibt keinen Fragenkatalog, den man auswendig lernen kann“, betont Wagenpfeil, „es handelt sich um ein individuelles Gespräch.“ Denn die Psychologen sind absolute Profis, genau für diese Gesprächssituation ausgebildet. Im wesentlichen gehen sie dabei vier Fragen nach: - Hat der Betroffene das Problem und die Hintergründe erkannt? - Ist er motiviert, daran etwas zu ändern? - Hat er schon begonnen, sein Verhalten zu ändern? - Ist diese Entwicklung stabil? Bei diesem Gespräch fliegen die, die tricksen wollen, recht schnell auf. Auch diejenigen tun sich schwer, die etwa glauben, es sei „Pech gewesen“, dass man sie erwischt habe, oder die Schuld trage „ein Nachbar, der sie verpfiffen“ habe. Entscheidender ist die Problemeinsicht: den Zusammenhang zwischen der Trunkenheitsfahrt und dem generellen Umgang mit Alkohol zu erkennen. Denn der Alkoholmissbrauch hat oft seine Ursache: etwa Schwierigkeiten, mit Konflikten umzugehen.
Da empfiehlt es sich, sich für die MPU ernsthaft vorzubereiten. Denn Durchfallen ist teuer: Die Gebühren für die MPU liegen, je nach Delikt, zwischen 360 und 500 Euro. Auch die psychologischen Vorbereitungsseminare, die etwa der TÜV Süd anbietet, sind mit 500 bis 600 Euro nicht ganz billig (nach Wunsch einzeln oder in der Gruppe). Jedoch bietet sich da neben der Aussicht auf den neuen Führerschein die Chance, vielleicht ein Problem – egal ob Alkohol oder Drogen – loszuwerden, das das Berufsleben, die Familie und die Partnerschaft meist erheblich belastet. Und dann kann sich für manchen die MPU sogar als Segen erweisen. Info: www.tuev-sued.de/mpu
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