Das Prinzip einer hydraulischen Bremse ist simpel: Mit dem Betätigen der Bremse wird ein großer Hauptbremszylinder gedrückt, der über druckfeste Leitungen mehrere kleine Radbremszylinder bewegt. Das ist möglich, weil sich in den Leitungen Bremsflüssigkeit befindet. Eine Art Öl, das sich viel weniger als Wasser oder Luft verdichten lässt. Das heißt, sie lässt sich einfach nicht so stark zusammendrücken – sondern gibt den Druck in die nachgiebigste Richtung ab. Allerdings ist das Bremssystem nicht hundertprozentig geschlossen: Durch die Bremszylinder und den Flüssigkeitsbehälter dringt im Laufe der Zeit minimal Luft ein. Und dann muss man die Bremsen entlüften. Außerdem ist Bremsflüssigkeit hydrophil, das heißt sie zieht Wasser an – das sich wiederum nicht so gut verdichten lässt. Die Hersteller empfehlen daher einen Austausch alle ein bis zwei Jahre. Das macht Ihnen ihre Werkstatt. Oder Sie selbst, wenn Sie über eine gewisse Schraubererfahrung und Talent verfügen. Und nun zum praktischen Teil beim Bremsen entlüften!
Zum Bremsenentlüften solle man bereitstellen:
Zuerst werden die Leitungen entlüftet, die den weitesten Weg haben – die zu den hinteren Bremsen. Um an die Entlüftungsschrauben zu kommen, muss man das jeweilige Rad aufbocken und abschrauben. Wer eine Hebebühne zur Verfügung hat, kann gleich alle Räder entfernen. Die Entlüftungsschraube ist - ähnlich wie bei der Heizung - eine Außensechskantschraube mit einem Schlauchnippel, auf dem ein kleiner Gummistöpsel als Schutz sitzt. Die Schraube - falls nötig - mit der Stahlbürste entrosten und eventuell den Sitz mit Kriechöl gängig machen. Darauf passt zwar ein ganz normaler Außensechskantringschlüssel. Da die Schaube jedoch manchmal sehr fest sitzt, verwendet man einen speziellen Bremsventilschlüssel (ca. 6 Euro), um den Schraubenkopf zu schonen. Denn wenn dieser rund gedreht ist, wird es kompliziert und eventuell teuer. Sobald der Schlüssel darauf sitzt und die Schraube sich öffnen lässt, schiebt man den durchsichtigen Schlauch auf den Nippel, der im Konservenglas endet. Doch bevor es mit dem Bremsen entlüften los geht, muss man den Bremsflüssigkeitsbehälter vorbereiten.
Der Behälter sitzt direkt auf dem Hauptbremszylinder. Dieser befindet sich meist im Motorraum unweit des Bremspedals. Beim Motorrad ist der für die Vorderbremse am Lenker und für die Hinterbremse oberhalb der Schwinge. Den Behälter vorsichtig öffnen und den Deckel sicher ablegen, damit kein Dreck dran kommt. Da Bremsflüssigkeit sehr aggressiv auf Lack wirkt, empfiehlt es sich, um den Arbeitsbereich saubere Lappen auszulegen und insgesamt sehr sorgsam vorzugehen! Den Behälter ausreichend mit frischer Bremsflüssigkeit auffüllen: Wenn wir die Bremsen entlüften, wird einiges davon in die Leitungen gepumpt.
Und nun geht's los: Mann 1 setzt sich ins Auto und beginnt am Bremspedal zu pumpen, nachdem Mann 2 die Ventilschraube geöffnet hat. Beim Pumpen das Pedal ganz durchdrücken und wieder völlig entlasten – und zwar ruhig und stetig. Währenddessen beobachtet Mann 2, wie sich die Flüssigkeit durch den Schlauch in das Glas schiebt (das Schauchende sollte sich immer unter dem Flüssigkeitsspiegel befinden). War Luft in der Bremse, erkennt man dies an den Blasen. Sobald keine Luftblasen mehr sichtbar sind und nur noch saubere Flüssigkeit kommt, lässt Mann 1 das Bremspedal ganz durchgedrückt und Mann 2 schließt mit dem Schraubenschlüssel das Ventil. Wichtig: Schraube nicht festknallen sondern mit Gefühl anziehen! Sobald die Schraube fest ist, kann Mann 1 das Pedal loslassen: Er wird beim nächsten Durchtreten wieder den Druckpunkt der Bremse bemerken. Schlauch abziehen, abwischen, Schutzkappe aufdrücken und Rad montieren – fertig ist der erste Streich beim Bremsen entlüften!
So nimmt man sich Radbremszylinder nach Radbremszylinder vor. Zwischendurch ist es wichtig, immer wieder am Behälter frische Flüssigkeit nachzufüllen: Vernachlässigt man dies, kann der Spiegel völlig absinken und Luft oben ins System eindringen. Dann kann man im Grunde wieder ganz von vorne beginnen. Das dauert zum einen ziemlich lange, zum anderen verschwendet man teure Bremsflüssigkeit. Am Ende wird man feststellen: Die Bremsleistung hat sich enorm verbessert! Sollte das nicht der Fall sein und eventuell nicht die selbe Menge Flüssigkeit im Konservenglas landen, die man in den Behälter auffüllt, muss man unbedingt die Werkstatt aufsuchen! Denn dann ist irgendwo eine Leitung undicht, die nur der Fachmann austauschen sollte. Dann ist es mit dem Bremsen entlüften alleine nicht getan. Bitte nicht vergessen: Die alte Flüssigkeit ist umweltschädlich und muss über eine Werkstatt oder eine Recyclingstelle fachgerecht entsorgt werden.
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