Landleben und alte Traktoren – das gehört zusammen wie die Scheune zum Hof und die Henne zum Hahn. Vielleicht liegt unsere Liebe zu alten Schleppern in der deutschen Vergangenheit begründet, als Techniker durch die Mechanisierung einen Weg aus der Weltwirtschaftskrise finden wollten. Der Erfindergeist bekam den richtigen Aufschwung nach dem Krieg, die Produktionsbänder liefen heiß, besonders Landwirte hatten alle Hände voll zu tun. Bis heute haben die historischen Landmaschinen nichts von ihrem Charme verloren, und immer mehr Sammler begeistern sich für die Zugpferde von anno dazumal. Wer ein passendes Modell finden will, muss mitunter quer durch die Republik reisen. Wir stellen Ihnen eine kleine Auswahl der wichtigsten Oldtimer-Klassik-Traktoren vor, damit Sie in Zukunft auch auf dem Getreideacker mitreden können. Die Bilder hat uns freundlicherweise die Fanseite alter-traktor.de zur Verfügung gestellt, die Preise autoscout24.de.
Die Deutz AG begann bereits 1864 Motoren zu produzieren. Die wassergekühlten Typen der Vorkriegszeit sind am Markt fast nicht mehr zu finden. Dafür entstanden in den 50er-Jahren die luftgekühlten Dieselmotoren, die seither als Markenzeichen von Deutz gelten. Höchste Zuverlässigkeit und große Kraft machten die Traktoren zu den legendären Primaten der Bauern. Die Baureihe 514 mit ein, zwei, drei oder vier Zylindern steht im Fokus der Liebhaber. Pragmatiker mit Drang zum regulären Einsatz auf ihrer Hobbyranch, dem Bio-Acker oder dem privaten Urwald greifen zur Serie 05 oder 06. Die kleinen Zwei- und Dreizylinder werden von Sammlern mit kleineren Nutzflächen bevorzugt. Der Fan mit grünem Blut in den Adern kommt am D 8006 oder D 10006, den unverwüstlichen Sechszylindern, nicht vorbei. Die hohe Population von Deutz ist auch deshalb ungebrochen, da Deutz noch immer über ein gut organisiertes Ersatzteillager und weltweite Reparaturmöglichkeiten verfügt. Die Preise für gebrauchte Fahrzeuge beginnen ab 2800 Euro.
Wer auf Harley-Davidson steht, kommt an einem Lanz Bulldog mit dickem Einzylindermotor nicht vorbei: Er wurde in den Jahren 1921 bis 1957 hergestellt. Viel Hubraum und viel Drehmoment lässt die Affinität zur Harley nicht verbergen. Nach dem Vorheizen des Glühkopfes mit einer Lötlampe wird das riesige Lenkrad von der Säule genommen und auf das seitliche Schwundrad der Kurbelwelle gesetzt. Mit gekonnter Drehbewegung am Lenkrad wird der Kolben zügig über den Todpunkt gehievt und der Motor zum Leben erweckt. Es entsteht der unverkennbare dumpfe Klang des Bulldogs, eine Art blubbern. Früher löste der Bulldog die Dampfmaschine zum Antrieb großer Dreschmaschinen ab und Spediteure setzten das Gefährt statt ihrer Pferde ein. Bei Zirkustruppen und Marktschreiern war der Lanz-Traktor ebenso beliebt, um schwere Lasten zu ziehen. Und wer ein schnelles Modell für den Ackerbau brauchte, nahm später den „Eilbulldog“. Heute sind gute erhaltene oder restaurierte Exemplare rar, aber in Zeiten von Börseneinbrüchen und Schuldenkrisen eine wertstabile Anlage. Die Preise für gebrauchte Fahrzeuge beginnen ab 3700 Euro.
Ferdinand Porsche, der geniale Schöpfer des VW-Käfers, hat hier seinen kreativen Ingenieurgeist ins Spiel gebracht: Er sollte im Dritten Reich einen Volkstraktor konstruieren, parallel zum Volkswagen. So entstand ein Kriegskübelwagen, der 1950 weiterentwickelt wurde. Mit der Idee des Leichtbaus und der überzeugenden Einfachheit im Design wurde das überzeugende Baukastensystem 1956 in einem neuen Werk bei Mannesmann in Friedrichshafen am Bodensee gebaut. Fortan hießen die Traktoren „Porsche-Diesel“, nach ihrem Erfinder. Sie wurden in größeren Stückzahlen hergestellt und brachte Klassiker wie Standard N/H/V 218 (25PS), Super 308 (38PS) und den Master 408 bis 429 (50PS) hervor. Die innovative Voith-Strömungskupplung zum Anfahren schwerer Lasten und die zuverlässige Luftkühlung ohne Riementrieb machten sie zu roten Farm-Athleten. Zeitweise führte „Porsche-Diesel“ damit den deutschen Traktor-Markt an. Das schicke Sportwagen-Rot und die dezent erotische Formgebung vermittelten die Affinität zur „Lotus Elise“, die später auch zum Porsche Sportwagen 356, zum 911 und zum Boxter führten. Manager mit schottischer Sparmentalität geben sich mit dem Einzylinder Porsche-Diesel Junior 108 zufrieden. Ex-Porsche-Boss Wendelin Wiedeking verfügt über eine ganze Sammlung dieser schicken Oldtimer-Traktoren. Die Preise für gebrauchte Porsche-Schlepper beginnen bei 2300 Euro.
Seit 1937 hatte sich die Firma Schlüter auf den Bau kleinerer Traktoren spezialisiert. Ab 1942 wurden Holzgasschlepper und Holzgas-elektro-Aggregate im ganzen Land produziert, wegen Benzinmangels nur mit 25 und 50 PS. In den 60er und 70er-Jahren begeisterte sich der Inhaber Anton Schlüter zunehmend für den Bau leistungsstarker Großtraktoren: Die bärenstarken Sechszylinder aus Freising bei München waren ihrer Zeit weit voraus und galten als Mercedes unter den Traktoren. Schlüter wollte immer direkt in Kontakt mit seinen Kunden stehen und hatte schon bald Teile des Landadels zur Kundschaft. Die jährlichen „Schlüter-Tage“ im oberbayerischen Freising wurden in der Landmaschinen-Szene legendär. Gebrauchte Schlüter gibt's ab 3500 Euro.
Die Traktoren der „HANnOversche MAschinenbau AG“ stehen für preußisch-hanseatische Solidität, wie weiland die Borgward Isabella aus Bremen. Die Hersteller haben sich in den 40er und 50er-Jahren dem leistungsstarken Segment zugewandt: Legendär sind die großvolumigen Langhub-Vierzylinder mit 5195 und 5702 cm³ Hubraum und die beliebte R-Baureihe. R22, R25 und R27 wurden damals überwiegend mit den interessanten Flachstahlspeichenrädern geliefert. Leider wurden die meisten Exemplare auf den Großbetrieben bis zum Exitus aufgearbeitet und Einzelstücke finden sich nur noch gelegentlich aus Industriebetrieben, wo der Hanomag für schwere Transporte eingesetzt wurde. Wer die mentale Nähe zum Trabbi, zur Kreidler Florett oder zur Zündapp Combinette sucht, macht sich mit einem Hanomag-Zweitakter in Ein- und Zweizylinder-Ausführung aus den Jahren 1953 bis 1962 zum interessanten Außenseiter. Mit seinen drehfreudigen kleinen Zweitaktern bediente Hanomag einst auch den kleinen Bauern. Die Preise für gebrauchte Fahrzeuge beginnen bei 6000 Euro.
Fantasievoll abgeleitet von dem Wort „UNIversalMOtorGerät“, klingt der Unimog erst mal sehr technokratisch und nüchtern – ist er aber nicht. Das Konzept von 1945 aus dem Hause Daimler-Benz hebt sich komplett von herkömmlichen Oldtimer-Traktoren ab. Der Unimog-Traktor war ein echter Abenteurer: 25 PS Leistung und bis zu 50 km/h schnell, Klappdach serienmäßig und damit eine historische Symbiose aus modernem SUV, Offroader und Cabrio. Charakteristisch für das Fahrzeug war die Kombination aus Allradantrieb und vier gleichgroßen Rädern, Zapfwellenantrieb für Landgeräte vorn, Schleppeinrichtung hinten, Laderaum in der Mitte. Der Blechdeckel zwischen den beiden Sitzen versteckt den knurrenden Motor. Wegen der großen Bodenfreiheit ist nur ein akrobatischer Einstieg wie in einen englischen Roadster möglich. Der enge Fußraum zwingt sogar die Liebste dazu, ihre Knie anzuziehen und ihr sportliches Talent auf dem Beifahrersitz zu beweisen. Der kleinste U25 wurde in den 50ern gebaut, war zeitgemäß sparsam und hat einen gedrosselten Taxi-Dieselmotor. Wer keinen U25 erwischt, greift auf die etwas stärkeren und jüngeren Dieselvarianten zurück oder auf einen U404S mit 2,2 Liter Sechszylinder Benziner aus Militärbeständen. Bei engen Partyterminen könnte ein Benziner mit 80 PS helfen, allerdings macht dann eine goldene Kreditkarte zum Tanken Sinn. Dank verschiedener Aufbauten gibt's den Unimog sogar als Wohnmobil. Die Preise beginnen bei 9700 Euro.
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