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Indisch für Fortgeschrittene: das Kamasutra

 

Man muss das Kamasutra ja nicht komplett nachturnen können. Aber ein bisschen Ahnung von der indischen Liebeskunst zu haben, schadet nicht.

Das Kamasutra ist uralt – aber immer noch besser als jeder Porno. Denn das Buch über die indische Liebeskunst beflügelt die Fantasie und regt zu sportlichen Höchstleistungen im Bett an. Dennoch sollten Sie es nicht gleich übertreiben. Es gibt tatsächlich Stellungen, die nur funktionieren, wenn beide Partner Grundkenntnisse in Akrobatik haben. Aber abgesehen davon, ist das Kamasutra die abwechslungsreichste körperliche Ertüchtigung, die man(n) sich vorstellen kann.

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Sämtliche Stellungen in: „Das Kamasutra. Die Kunst der erotischen Liebe“ (Dorling Kindersley, 2009)

Die Geschichte des Kamasutra

Das Kamasutra ist das wohl beliebteste Lehrbuch der Welt. Der indische Edelmann Mallanaga Vatsyayanas hat darin vor 1800 Jahren alles niedergeschrieben, was er über Lust und Liebe wusste. Denn er wollte sein Wissen an die Nachwelt weitergeben. Dazu kam es aber erst hunderte Jahre später. Denn das Kamasutra wurde am Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Die beiden Indien-Experten Sir Richard Francis Burton und Forster Fitzgerald Arbuthnot fanden die erotischen Notizen und übersetzten sie ins Englische. Das war recht mutig von den beiden Wissenschaftlern, denn die meisten Vokabeln im Kamasutra galten als obszön. Und Pornografie unterlag der britischen Zensur. Aber ohne Angst vor den Konsequenzen schrieben Burton und Arbuthnot auf, was es zu schreiben gab. Alles, bis auf „Penis“ und „Vagina“. Das beließen sie im Original. In Sanskrit klingt es allerdings auch gleich viel besser: Penis heißt „Lingam“ und Vagina „Yoni“. In der ersten deutschen Ausgabe des Kamasutra aus dem Jahr 1897 waren alle „heiklen“ Stellen ins Lateinische übersetzt. Das störte aber fast niemanden – da die Illustrationen sowieso viel wichtiger sind als der Text und die waren unzensiert.

Im Kamasutra geht es nicht nur um Sex

Die Philosophie des Kamasutra lautet: Sex ist für ein gesundes Leben genauso wichtig, wie Essen und Trinken. Deshalb geht es im Kamasutra gar nicht nur um Sex, wie viele denken. Es geht um Tugendhaftigkeit, Religion und Reichtum. In der Originalausgabe befasst sich nur eines der sieben Kapitel mit den sagenumwobenen Sexstellungen.

Das Kamasutra sieht Monogamie nicht vor

In den anderen sechs Teilen des Kamasutra geht es um Tipps zum Flirten, Heiraten, der Ehe und darüber, wie sich verheiratete Frauen am besten zum Ehebruch verführen lassen. Fakt ist: Das Kamasutra sieht keine Monogamie vor. Es geht um eine ganzheitliche Lebens- und Liebeserfahrung. Und die ist mit nur einer Partnerin offenbar schlichtweg nicht möglich. Verheißungsvoll verspricht das Buch „Das Kamasutra. Die Kunst der erotischen Liebe“: „Als Mann werden Sie für Ihre Rolle als Liebhaber und Verführer ungeahnte neue Perspektiven entdecken“. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert. Manche der Stellungen sind anfangs sicher gewöhnungsbedürftig oder erfordern akrobatische Höchstleistungen. Zum Beispiel diese Kamasutra-Stellung: Der Mann sitzt im Schneidersitz und die Frau macht vor ihm eine Art Handstand auf ihren Unterarmen. Ihr Rücken ist dabei dem Mann zugewandt. Er greift ihre Unterschenkel, zieht sie an seine Schultern, versenkt den Kopf zwischen ihren Schenkeln und befriedigt die Frau mit dem Mund. Die Frau macht dasselbe. Nur, dass sie dabei auf em Kopf steht. Summa summarum handelt es sich also um eine extrem komplizierte Version der „69“. Aber auch beim Kamasutra gilt: 1. Übung macht den Meister und 2. Sex ist keine olympische Disziplin. Falls die eine oder andere Stellung nicht gleich klappt: Nehmen Sie´s mit Humor. Kamasutra-Experten wissen: Das hilft.

Anne Lehwald
 

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