So funktioniert das seit Jahrtausenden: Der Mann geht auf die Pirsch, die Frau gibt das scheue Reh auf der Lichtung. Heutzutage eben nicht im Wald, sondern am Bartresen. Allerdings begeben sich Frauen höchst selten allein ins Jagdrevier. Ihr liebster Begleiter beim Lokaltermin ist dabei die beste Freundin. Das Mindestkriterium dieser Begleitung: weniger hübsch sein. Gern auch mit etwas mehr auf den Hüften - damit der eigene Stern noch heller strahlen möge. In den Tagen der Balz funktioniert das Konkurrenzdenken bei Frauen ganz ausgezeichnet.
Und diese Freundin, hingebungsvoll und selbstlos, tut für die Dame von Welt, was eine Zofe schon zu Shakespeares Zeiten leistete: Sie ist wie der Mond, der im Licht der Sonne strahlt; ein treuer Trabant, der nie zu nahe kommt. Sie bietet Kurzweil, wenn’s mal nichts zu gucken gibt. Legendär ihr Listenreichtum in Sachen Annäherung, unübertroffen ihre Urteilskraft in Sachen Männer. Bei einer angestrebten Paarung stellt dieses mit äußeren Reizen nicht ganz so gesegnete Wesen den „Ugly Manager“ dar. Das hässliche Entlein ist bei der Pirsch auf der Seite des Jägers - der muss nur mit ihm umzugehen wissen. Nur über das Herz dieser Freundin führt der Weg zum Herzen der Herzensdame. Denn im Normalfall ist der Ugly Manager - ob geringerer Attraktivität - zugänglicher für Charmeattacken. Das mag herzlos klingen, funktioniert aber ganz hervorragend: Ein Lächeln, ein Blick, ein Kompliment - und schon ist ein Mann der Dritte im Bunde. Nun kann er, ohne albern zu wirken, den Damen einen Drink ausgeben und die Bekanntschaft vertiefen.
Doch ab diesem Punkt ist Vorsicht geboten: Der Ugly Manager macht einen Herrn gern mit der Schöneren bekannt - will aber etwas abhaben vom Kuchen der Zuwendung und Galanterie. Der Galan muss die Begleitfrau also hegen und pflegen, sonst rächt sie sich. Schon manch einer hat den Ugly Manager wie eine Hängebrücke betreten und dann achtlos hinter sich gelassen. Das ist nicht ratsam. Sobald der Ugly Manager gewahr wird, dass mit dem charmanten Lächeln gar nicht wirklich er gemeint war, fährt er seine Krallen aus. Eingeleitet durch Gähnen, wird der Freundin bedeutet, man möge nach Hause gehen - zu zweit. Beim gemeinsamen Toilettenbesuch werden ausschließlich die Negativattribute des Bewerbers erörtert. Tonloses Schweigen vergällt es der Schöneren, auch bei den besten seiner Witze zu lachen: Nichts ist gefährlicher als eine gekränkte Frau. Und jeder Frau ist die beste Freundin wichtiger als ein Mann.
So sprich also die weniger Hübsche von Zeit zu Zeit an! Erheitere sie, und erfreue sie mit Schmeicheleien. Nur eben immer eine Spur weniger als die Angebetete. Das wird der Ugly Manager dir verzeihen. Versuche nicht, gleich am ersten Abend einen Hausbesuch zu vereinbaren. Besser ist ein diskreter Nummernaustausch mit der Angebeteten. Dies wahrt die Würde der Freundin. Sie wird dir gesonnen bleiben und sich mit dir für dein Glück freuen. Zumindest, solange du mit deiner Angebeteten zusammen bist. Was danach passiert, ist eine andere Geschichte.
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