Dass Trennungen zumeist für niemanden besonders erfreulich sind, steht außer Frage. Doch bisher galt eigentlich die Regel, dass Frauen leiden und Männer den emotionalen Schiffbruch locker wegstecken. Wie sähe das auch aus: Ein heulender Mann, der mit dicken Wollsocken heulend auf seinem Sofa sitzt und Eiscreme in sich hineinstopft? Undenkbar. Da Männer aber dank der fortschreitenden Emanzipation immer weniger Männer sein dürfen, müsste Leiden bei Trennungen eigentlich auch zu ihrem neuen Pflichtprogramm gehören. Oder?
Unglaublich, aber wahr: Psychologen zufolge leiden Männer stärker unter Trennungen als Frauen, auch, wenn sie es weniger offen zeigen. Lautes Heulen und das Frustabladen bei der besten Freundin sind absolut weiblich. Männer hingegen neigen bei Trennungsschmerz zu sehr verschlossenem, manchmal auch aggressivem Verhalten. Häufig flüchten sie sich in die Arbeit, um sich abzulenken. Die Gründe dafür, dass Männer meist mehr unter Trennungen leiden, liegen in alten Rollenmustern begraben: Sie sind es gewohnt, Kontrolle über ihr Leben zu haben und können mit einem Kontrollverlust, wie er mit einer Trennung einhergeht, nicht umgehen. Zudem neigen Männer dazu, in Sieger-Verlierer-Kategorien zu denken. In Fall einer Trennung wären sie der Verlierer - und wer will das schon?
Nicht genug damit, dass Männer mehr unter Trennungen leiden als Frauen, sie leiden auch länger. Und das Blöde ist: sie sind auch noch selbst schuld. Typisch männliche Verhaltensweisen bei einer Trennung sind Verdrängung, Hassgedanken und Selbstvernachlässigung. Und eben diese Verhaltensmuster machen die Sache noch viel schlimmer, als es eh schon ist. Auch wenn Männer nach außen hin ruhig und seelisch stabil wirken, können Sie trotzdem lange an einer Trennung knabbern. Und da ihnen das keiner ansieht, kann ihnen auch niemand helfen.
Eine der besten Möglichkeiten, den Trennungsschmerz zu bewältigen, ist, ihn zu kommunizieren. Da das Männern aber bekanntlich nicht so liegt, müssen sie sich andere Problemlösungen überlegen. Eine gute Idee wäre hier zum Beispiel Sport - so kann man(n) Wut in Bewegung umwandeln. Auch sollten sich frisch getrennte Männer neue Erfolge schaffen. Damit ist allerdings weniger das Flachlegen sämtlicher Sekretärinnen und Praktikantinnen im Umkreis gemeint. Wenn schon auf diese Art, dann orientieren Sie sich lieber an der Chefetage - da gibt's ja jetzt eine Frauenquote.
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