Ein Doktortitel ist Balsam für eitle Seelen: plötzlich wird man von aller Welt mit „Herr Doktor“ angesprochen. Vor allem, weil solch ein akademischer Titel durchaus die Karriere beflügelt: Inhaber werden bei anspruchsvollen Jobs bisweilen bevorzugt und auch besser bezahlt. Aber nicht jeder hat die Zeit und den Nerv für eine Promotion: Drei bis fünf Jahre darf man dafür investieren.
Bei einem Blick ins Internet bieten sich jedoch Kandidaten ohne Zeit, aber mit Geld scheinbar viele Möglichkeiten, an den begehrten akademischen Grad zu kommen: einfach kaufen! Doch auch wenn der Doktor ohne Studium winkt, sollte man sich vor diesen Anbietern hüten: Nicht immer ist solch ein Deal legal und kann juristische Probleme bringen. Wer jedoch am Schluss auf jeden Fall gewinnt, ist der Anbieter: Zwischen 5000 und 7000 Euro muss der Aspirant ihm bezahlen. Und wer sich ungerechtfertigt damit schmückt, riskiert eine empfindliche Geldstrafe.
Es existiert ein halblegaler Titelhandel mit unbedeutenden Hochschulen aus Osteuropa: Diese verleihen dem Kandidaten eine Ehrendoktorwürde – gegen eine gewissen „Spende“, versteht sich. Diesen Titel kann man sich auch an das Türschild schreiben, sollte jedoch keinesfalls das „h.c.“ (honoris causa, also ehrenhalber) und den Namen der Hochschule vergessen. Sonst handelt man sich Ärger wegen Titelmissbrauch ein. Genauso wenig darf man diesen Titel in den Ausweis eintragen lassen.
Wer nicht so viel ausgeben will, kann bei der amerikanischen „Academia Scientia Church“ für 200 bis 400 Euro einen „kirchlichen Titel“ erwerben: Etwa einen Master Degree in „Divinity“ (Göttlichkeit) oder „Metaphysics“ (Metaphysik). Ja, man kann sich mit dem „Immortality“-Master sogar unsterblich machen. Diese Art von Doktortiteln sind jedoch völliger Unfug, sie bringen genauso viel Imagegewinn wie die Taschen voller Spielgeld.
Im August 2009 erschütterte ein Skandal das deutsche Campusleben: Etwa hundert Professoren aus ganz Deutschland hatten sich über ein Institut in Bergisch Gladbach bei der „Unterstützung“ Promotionswilliger bestechen lassen und die Verleihung echter Doktortitel ermöglicht. Die Fahnder fanden heraus, dass bis zu 20.000 Euro pro Fall flossen, davon rund 4000 Euro jeweils an den Professor. Alles dokumentiert durch Verträge – jedoch nicht durch Doktorarbeiten. Die zwielichtigen Promotionsberater sind nicht die einzigen, die mit empfindlichen Strafen rechnen müssen: Die Professoren riskieren wegen Bestechlichkeit ihren Job, der Titelkäufer sogar eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr.
Wenn ein falscher Doktor auffliegt, wird es teuer – vor allem, wenn er finanziellen Gewinn durch den Titel machte. Der Plastinator Gunther von Hagens wurde zu 108.000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er sich mit einem akademischen Titel einer chinesischen Uni schmückte. Auch der bekannte Esoterikguru Kurt Tepperwein trat jahrelang als Prof. Dr. auf – ein Titel, den er sich an der Briefkastenuniversität Clayton Academy in St. Louis gekauft hatte. Bis ihm das Amtsgericht Memmingen eine Geldstrafe von 6000 Euro aufbrummte. Letztlich sollte man also, wenn man unbedingt einen Doktor vorm Namen braucht, die Ochsentour an der Uni durchziehen. Oder ganz drauf verzichten. Denn wenig ist am Ende zu teuer und so peinlich wie ein falscher Doktortitel.
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