Mal ehrlich: Marsala haben Sie noch nicht getrunken, oder? Kaum einer hat das bei uns – ausser, er war in Sizilien im Urlaub. Denn die hochprozentigen Weine sind etwas aus der Mode gekommen – und auch selten geworden. Am Stiefel sieht das schon anders aus: Da genießt man Marsala gerne mal zum Dessert, vor dem Essen oder zur Zigarre. Bei uns dagegen fristet der Tropfen sein Dasein als Tuning für Kuchen und Süßspeisen. Schade eigentlich.
Benannt ist Marsala nach einer sizilianischen Hafenstadt. Dort nämlich landete der englische Weinhändler John Woodhouse 1773 nach einem heftigen Sturm, ging in eine Hafenkneipe und trank etwas, was ihm ausgesprochen mundete: einen kräftigen, gereiften Wein. Woodhouse war so begeistert, dass er gleich ein Fass kaufte und nach England verschickte. Nicht jedoch ohne den Inhalt vorher mit Weinbrand „aufzuspriten": Eine damals übliche Methode, um Weine haltbar zu machen – und der Weine wie Portwein oder Sherry auch ihre Existenz verdanken. Anders jedoch als beim Portwein wird beim Marsala die Gärung nicht durch den Alkohol gestoppt: Daher ist er auch weniger süß mangels Restzucker.
Die Resonanz im weinverrückten England jedenfalls war überwältigend, selbst der gute alte Admiral Nelson lobte den Tropfen und bestellte ein Fäßchen. Woodhouse jedenfalls richtete sich in Sizilien eine eigene Kellerei ein und war bald ein gemachter Mann. Marsala ist bis heute eine kleine Nische des Weinmarktes, die 1984 mit strengen Regeln neu beschränkt wurde: Er darf nur aus Grillo-, Nero d'Avola-, Nerello-, Perricone-, Inzolia- Cataratto- oder Damaschinotrasuben gemacht sein. Seine Reifestufen (von mindestens ein Jahr bis zehn Jahre) sind genau geregelt, sogar der Alkoholgehalt derselben.
Die richtig großen Marsala-Vertreter haben eine Eigenheit: Sie wurden nicht aufgespritet, sondern haben ihren hohen Alkoholgehalt (15 - 20 % Alkohol) durch natürliche Reife erreicht. Das ist nur durch einen hohen Zuckergehalt in den Trauben und spezielle Weinhefen möglich. Denn normale Weinhefe stirbt bei etwa 15 Prozent ab. Marsala erzeugt man deswegen auch da, wo in Italien die Sonne am heißesten scheint und die zuckerreichesten Trauben wachsen: Apulien, Sizilien und Sardinien. Und wer ihn einmal testet, wird überrascht sein: Marsala muss nicht zwingend süß sein! Es gibt ihn als trockenen Wein, da heißt er „vergine". Geschmacklich hat der Tropfen interessante Tabaknoten, nicht selten erinnert er an Muskat und andere Gewürze. Als Aperitif macht sich also ein Marsala ganz gut – und ist mal eine interessante Abwechslung.
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