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Ich trink Ouzo, was trinkst du so?

 

Das ist die Geste, die griechische Gastronomen als großartige Gastgeber auszeichnet: Nach dem Essen spendieren sie uns einen Ouzo. Und auch wenn der Anisschnaps nicht jedermanns Geschmack ist, freuen wir uns (und stocken gleich das Trinkgeld auf). Doch was trinken wir da eigentlich? Der Berater klärt auf.

Es ist immer wieder ein schönes Ritual: Nach dem mehr oder weniger fetten Gyros bringen wir die Verdauung mit einem Ouzo wieder in die Spur. Wobei vielen Nicht-Griechen gar nicht so recht klar ist: Mögen sie den Anisschnaps oder nicht? Und die Allerwenigsten wissen, wie er gemacht wird. Was vielleicht mal klar sein sollte: Ouzo ist aromatisierter Alkohol, genau wie Gin. Denn Anis an sich kann nicht gären und auch nicht gebrannt werden. Es findet jedoch eine Destillation statt, die den mit Wasser verdünnten Reinalkohol nach dem Ansetzen wieder auf stramme 40 Prozent bringt.

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Das typische Bild nach Gyros und Tzaziki: der Ouzo

Eine würzige Sache, so ein Ouzo

Vielleicht eine Enttäuschung für alle, die in Ouzo ein edles Destillat sehen: Die Basis bildet meist ein sehr einfacher Alkohol, entweder Kartoffel- oder Getreidebrand. Wichtiger ist die Auswahl der Gewürze: Anis, Kardamom, Koriander, Stern-Anis, Angelika-Wurzel, Mastika und sogar Kamille. Nach einer gewissen Lagerungszeit wird der Sud gefiltert, gebrannt, wieder auf Trinkstärke verdünnt und abgefüllt. Anders als bei vielen anderen Schnäpsen darf Ouzo – der übrigens nur in Griechenland hergestellt werden darf – mit Reinalkohol aufgespritet und mit Zucker gesüßt werden.

Wer hat den Ouzo erfunden – die Griechen oder die Türken?

Ach ja, stimmt, Griechenland. Und beim ungeliebten Nachbarn Türkei gibt es Raki, fast dasselbe Zeug. Wer hat es nun erfunden? Nach der Überlieferung waren es wahrscheinlich Griechen – allerdings in Kleinasien, der heutigen Türkei, denn: Die Ouzobrennerei fing in Hellas eigentlich erst in den 1920er-Jahren an, als mehr als 1,5 Millionen Griechen aus der Türkei und Zypern vertrieben wurden. In Kleinasien hatten sie nämlich schon vor tausend Jahren aus Traubentrester und Anis eine geschmackvolle Spirituose destilliert: Man darf nich vergessen, dass die Araber, die der Türkei den Islam brachten, die Destillation erfunden hatten! Den Ouzo-Boom damals begeitete ein wachsendes Nationalgefühl, so dass der Anisschnaps bald zum Nationalgetränk wurde.

Der so genannte „Louche"-Effekt beim Ouzo

Eine wichtige Sache gibt es noch zu klären: Wieso wird Ouzo – genau wie Raki und Pastis – trüb, wenn er mit Wasser verdünnt wird? Man nennt dies den „Louche"-Effekt. Nicht der Alkohol trübt, wie viele meinen, sondern die ätherischen Öle des Anis. Solange der Alkoholgehalt bei rund 40 Prozent lag, waren diese Öle gut gelöst. Doch mit dem Wasser sinkt das „Lösungsmittel" rapide, und es kommt zur Ausfällung der Öle in winzige Fettkügelchen. Die dann als Trübung sichtbar werden. Chemisch betrachtet verändert unser Ouzo sich also von einer Lösung zu einer Emulsion. Passionierte Ouzo-Verdünner berichten übrigens von einem weiteren erstaunlichen Effekt: Wenn sie getrunken haben und am nächsten Tag mit Wasser ihren Brand löschen, soll es zu einem spontanen Trunkenheitsgefühl kommen. Möglich ist dies schon, da die ausgefällten Öle schwer verdaulich sind – und wiederum Alkohol enthalten. Bewiesen ist es jedoch noch nicht. Bis aber ein Forscher dies im Eigenversuch erkundet, stoßen wir mit unserem Ouzo an: Jámas!

Klaus Mergel
 

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