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Holland oder England - woher stammt der Gin?

 

Gin ist eine eigentümliche Spitiuose: Er schmeckt nach Wacholderbeeren, pur kann man ihn kaum ertragen – und Queen Mum liebte ihn. Ansonsten weiß man wenig über das englische Fast-Nationalgetränk. Moment, ist der überhaupt englisch? Und handelt es sich überhaupt um einen Brand? Der Berater klärt auf.

Korrekt, die Briten sind bekennende Gintrinker. Und das schon seit langem: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es in England rund 1500 illegale Brennereien, allein in London verkauften 7500 Gin-Shops den Schnaps. Meist zweifelhafter Qualität, denn Gin lässt sich recht leicht herstellen. Entgegen vieler Vorurteile wird Gin nämlich nicht aus Wacholderbeeren gebrannt. Gin ist ein Getreidebrand, der mit Wacholderbeeren, Koriander, Süßholz und einigen anderen Gewürzen aromatisiert wird. Ein Likör ist er dennoch nicht. Zum einen spricht der hohe Alkoholgehalt von über 40 Prozent dagegen. Zum anderen wird Gin tatsächlich gebrannt: Der aromatisierte Reinalkohol wird mit Wasser vermischt und dann noch einmal destilliert.

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Der gute alte Martini – was wäre er ohne Gin?

Die Briten soffen Gin wie Wasser

Doch wie edel ist Gin? Um 1736 – pardon – soffen unsere britischen Stammesbrüder so sehr, dass die soziale Verwahrlosung schlimme Ausmaße annahm und man von einen „Gin Craze", einem Ginwahn, sprach. Man wusste sich nur mit Steuererhöhungen dagegen zu helfen. Was nicht unbedingt für ein gutes Image der Spirituose sorgte. Wer sich heute stolz „Bombay Sapphire" oder den bayrischen Edelgin „The Duke" ins Regal stellt, sollte sich bewusst sein, dass man Gin früher gerne in der heimischen Badewanne mit Wacholderöl anrührte. Erst in den 20er-Jahren erhielt der Gin – nicht zuletzt in Amerika – seine gesellschaftliche Anerkennung.

Die Holländer tranken sich Mut an – mit Gin

Doch zurück zu den Engländern. Neben Whisky ist Gin ihr Lieblingsdrink, Queen Mum schwörte (zur Erheiterung der europäischen Königshäuser) darauf. Doch: Erfunden haben den Gin die Holländer! Unter dem Namen Genever wurde das Zeug schon im 16. Jahrhundert zwischen den Grachten genossen. Nicht zu vergessen: Im Spanisch-Niederländischen Krieg – auch „80-jähriger Krieg" genannt – waren die Niederländer und die Briten Waffenbrüder gegen die Spanier. Und so lernten die Engländer den Wacholderschnaps kennen. Der übrigens für eine interessante englische Redewendung sorgte: „Dutch courage" bezeichnet heute noch „sich Mut antrinken".

Kein Martini ohne Gin

Doch wie geht die Geschichte weiter mit dem Gin? Nach dem Popularitätsschub der Londrink-freundlichen 80er und 90er Jahre hat er ein bisschen seinen Platz am Tresen eingebüßt – vor allem gegen Wodka, neuerdings auch gegen Tequila. Doch Gin wird wohl ewig in einem Barklassiker weiterleben: im Martini. In dem trotz des vielverbreiteten Vorutreils kein italienischen Vermouth drin ist, sondern Gin. Prost!

Klaus Mergel
 

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