Zunächst mal das Wichtigste – das Hopfenkaltgetränk. Im Biergarten trinkt man keinen Sprizz, keinen Prosecco, keinen Tee und auch keinen edlen Bordeaux – sondern Bier. Nerven Sie also den Kellner nicht mit unerfüllbaren Bestellungen. Bitte auch keine Fragen nach Mindestabgaben im Milliliterbereich: Am Tresen sehen Sie, ob der Wirt „Halbe" (0,5 Liter) oder nur „Maßen" (ein Liter) abgibt. Gibt es nur eine Maß, dann teilen Sie sich die mit Ihrer Begleitung: In Bayern ist man nicht so antiseptisch. Mischgetränke wie Radler (helles Bier und Zitronenlimo) sowie ein „Russ" (Weizenbier mit Zitronenlimo) werden auf Wunsch fast immer frisch gemacht. Ecken Sie auch nach Möglichkeit bei der Aussprache nicht zu sehr an: Eine „Maß" spricht man nicht „Maaß", sondern knapp wie „Fass". Unterlassen Sie es auch, mit angelesenem „Bayrisch" glänzen – Sie ernten stattdessen Hohn und Spott.
Nicht weniger entscheidend ist die Tischwahl im Biergarten. Hier gilt: Gleiches Recht für alle! Das bedeutet zwar, dass sie sich – nach freundlicher Nachfrage – fast überall dazugesellen können. Gleichzeitig sollten Sie sich jedoch von der Privatsphäre eines Restaurants verabschieden. Wenn Platz knapp ist, können Sie keinesfalls einen ganzen Tisch für sich und Ihre Begleitung okkupieren, weil sie es grade zärtlich angehen wollen. Sehen Sie dies als Bereicherung Ihres Abends, wenn Sie im Biergarten hautnah neue Bekanntschaften machen. Im Regelfall ist man im Biergarten nach einer Maß – wie auf dem Berg über 1000 Metern – per Du.
Wer trinkt, bekommt meist auch Hunger. Inzwischen bieten fast alle Biergärten frische Speisen an: Etwa „Obatzdn " (eine Käsespezialität), Schweizer Wurstsalat (mit Käse und Zwiebeln), gehobelten und gesalzenen „Radi" (Rettich) oder ein halbes „Hendl" (Brathähnchen). Das war nicht immer so: In ihrem Ursprung waren die Biergärten lediglich lauschige Plätzchen über den Kühlkellern der Brauereien, wo Kastanien Schatten spendeten. Die bayrische Stadtbevölkerung zog sich dorthin vor über hundert Jahren in den heißen Sommermonaten zurück, irgendwann bekamen die Brauereien eine Schankerlaubnis für all die Leute – die ihr Essen selbst mitbrachten. Letzteres ist in bayrischen Biergärten bis heute verbrieftes Recht: Die eigene Mahlzeit darf man mitbringen. Rümpfen Sie also nicht die Nase über den Nachbarn, der eine Tischdecke ausbreitet, und seine Privat-Brotzeit auftischt: Das ist kein Geiz, sondern Brauchtum.
Natürlich geht es in einem Biergarten zünftig zu. In manchen spielt sogar eine Blaskapelle auf! Diese Art von musikalischer Untermalung sollte Sie jedoch keinesfalls dazu animieren, selbst ein Ständchen zum Besten zu geben – und schon gar nicht betrunken. Denn ein Biergarten ist etwas völlig anderes als das Oktoberfest: Hierher ziehen sich die Bayern zurück, weil sie sich erholen wollen – und nicht, um grölende „Preißn" zu erleben. Und auch wenn sie sich im vergangenen Jahr so eine schöne Lederhose bei C&A gekauft haben: Verzichten Sie darauf, sich als Bayer zu verkleiden – selbst, wenn die Bayern ihre dort tragen. Ein Norddeutscher in Tracht mag bei einem Spektakel wie dem Oktoberfest durchaus in Ordnung sein – im Biergarten geht es dagegen dezent zu. Prost!
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