Es mag auf der Zunge vielleicht nicht prickeln wie ein Dom Perignon oder das Aroma eines Château Lafite verbreiten, aber das Bier als dröges Proleten-Gesöff zu titulieren, wird seinen Fähigkeiten dennoch nicht gerecht. In dem süffigen Gerstensaft steckt viel mehr als der billige Rausch auf die Schnelle.
Das Bier gesund ist, hat sogar schon Oma gewusst – die wusch sich mit dem Hopfen-Malz-Gemisch die Haare. Doch der beliebte Gerstensaft sorgt nicht nur für Haarglanz, sondern macht auch gesund. Schon die antiken Griechen nutzten den Gerstensaft als Medizin.
SSpäter, im europäischen Mittelalter, in dem vor allem die Klöster für die Disziplinen Heilkunst und Brauerei zuständig waren, galt ausgerechnet eine Nonne als eine der größten Fürsprecherinnen von Bier als Heilmittel. In ihrem Buch „causa et cura“ empfiehlt die heilige Hildegard von Bingen gegen allerlei Zipperlein den Griff zum Bier, weil es ihrer Überzeugung nach die Regeneration fördert und den Leib kräftigt. Knapp dreihundert Jahre später beschäftigt sich im 15. Jahrhundert dann auch der Arzt Philippus von Hohenheim, bekannt als Paracelsus – seiner Zeit eine Koryphäe mit legendären Heilungserfolgen und demnach einer, der es ja wohl wissen muss ¬¬– mit der Wirkung des Gerstensaftes und verkündet lautstark: „Bier ist eine göttliche Medizin gegen Krankheiten“. Es scheint, als seien dem Bier seither mit jedem Jahr neue wunderbringende Kräfte angedichtet worden. Wer jedenfalls im Internet recherchiert, findet prompt an die hundert Beiträge, laut denen Bier mittlerweile auch noch die Lebenserwartung steigern, Nierensteine verringern, vor Diabetes und Osteoporose schützen und ja, sogar beim Abnehmen helfen und das Gedächtnis stärken soll. Vieles davon dürfte wohl eher dem Wunschdenken des ein oder anderen leidenschaftlichen Oktoberfestgängers entsprungen sein.
Doch in einer Studie mit Blutzellen fanden Wissenschaftler der Universität Innsbruck vor kurzem heraus, dass Bierextrakte tatsächlich Entzündungsreaktionen im Körper blockieren. Außerdem ergab die Studie, dass Bier – in Maßen genossen – gut gegen Herzerkrankungen ist und damit in einer Riege mit Rotwein und grünem Tee steht. Zudem soll das Lieblingsgetränk der Deutschen gegen Erkältungen helfen. Einer der sich mit den Inhaltsstoffen bestens auskennt ist René Auradniczek. Als Braumeister der Brauerei Steinfels weiß er, warum uns Bier gerade an kalten Tagen gut tut: „Bier enthält ätherische Öle und Bitterstoffe, die beruhigend wirken. Außerdem sind die Bitterstoffe wirksam gegen Bakterien. Wenn man warmes Bier trinkt, kommt man ins Schwitzen und wird so die Giftstoffe los.“
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