Bei dem Begriff „Moderne Kunst“ schwingen fast immer ein paar populäre Vorurteile mit. Etwa: Moderne Kunst ist abstrakt, die Gegenständlichkeit ist ausgeschlossen. Oder: Moderne Kunst ist schwer zu verstehen. Und vielleicht das häufigste Stereotyp: „Das hätte ich auch hingebracht, wenn es mir denn eingefallen wäre.“ Doch wenig davon trifft zu, da der Begriff nur eine vage, umgangssprachliche Einordnung ist. Denn eigentlich müsste es „Kunst der Moderne“ heißen. Dies umschreibt weder einen bestimmten Stil – etwa Abstrakte Kunst – noch eine bestimmte Ära, sondern eine bestimmte Haltung: Der Begriff umfasst die Werke von Avantgardisten, die mit ihrem Schaffen ihrer Zeit voraus sind und deren Kunst neue Stilrichtungen einleitet.
Der Ausdruck „Moderne Kunst“ ist eng mit dem Zeitalter des 20. Jahrhunderts und seinen revolutionären Strömungen verbunden: Als Künstlergruppen unter den Expressionisten und den Dadaisten mit herkömmlichen Standards wie Perspektive, realistischer Farbgebung und Dekorationseffekt zugunsten von Gesellschaftskritik brachen. Genau getrennt wird dabei der Begriff von der „Zeitgenössischen Kunst“, die einfach alle heute aktiven Künstler einschließt sowie solche, deren Werke den aktuellen Stilrichtungen entsprechen. Damit wäre etwa Gerhard Richter – so abstrakt manche seiner Bilder auch sein mögen –zeitgenössische, aber keine Moderne Kunst, Wassily Kandinsky dagegen nicht zeitgenössisch, aber Modern. Der verstorbene Maler Jörg Immendorf als Surrealist zwar zeitgenössisch, aber nicht modern.
Die Schwierigkeiten der Obrigkeit und des Normalbürgers mit Moderner Kunst sind ein entscheidendes Merkmal der Modernen Kunst. Wie etwa der Hausmeister, der 1968 die „Fettecke“ von Joseph Beuys beim Putzen entfernte (was das Land Nordrhein-Westfalen 40.000 Mark kostete) oder Andy Warhols „Brillo Box“, die bei der Einfuhr nach Kanada einen Zoll für Handelsgüter kosten sollte (der kanadische Zoll sah darin eine Schachtel für Topfkratzer). Heute sind es eher die wenig fassbaren Graffitis des Briten Banksy, die Rinderblutbäder des Österreichers Hermann Nitsch oder der schwarze Kubus von Gregor Schneider, die die Gemüter der Menschen und nicht selten die Gerichte beschäftigen. Vielleicht also ist die Frage „Ist das wirklich Kunst?“ obligatorisch für Moderne Kunst...
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