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Spekulation mit Kunst

 

Reich werden mit Kunst: Nie mehr arbeiten, stattdessen nur ab und zu ein Bild auf den Markt bringen. Wie funktioniert Spekulation mit Kunst?

Spekulation mit Kunst – das hört sich wie leicht verdientes Geld an. Einfach zur richtigen Zeit (wenn der Künstler unbekannt ist) das eine oder andere Werk kaufen, einige Zeit warten und dann (wenn er sich einen Namen gemacht hat) das Bild wieder verkaufen. Beispiel Damien Hirst: Kometenartig entwickelte sich der 1965 geborene Brite zu einem Superstar – vor allem preislich. Seinen Durchbruch schaffte er 1991 mit einem in Formaldehyd eingelegten Tigerhai (verkauft für neun Millionen Euro), 2007 brachte ein von ihm mit Diamanten besetzter Totenschädel sage und schreibe 75 Millionen Euro. Da erscheint die Spekulation mit Kunst nicht nur als ein unglaublich einträglicher Job, sondern auch als einer, der weitaus mehr sexy ist als Schweinebäuche und tiefgefrorenen Orangensaft zu verkaufen. Renditen von bis zu tausend Prozent sind ja auch nicht zu verachten.

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Damien Hirsts Totenschädel: Ein Paradebeispiel dafür, wie die Spekulation in der Kunst funktioniert

Der Tod eines Künstlers ist kein Garant für gute Preise

Doch wie immer im Leben: So leicht ist das nicht. Sonst würde es ja jeder machen. Weder das Kunstverständnis garantiert hier den Erfolg noch guter Geschmack: Der Kunstmarkt wird – neben Publikumsmoden – von so vielen, nicht immer nachvollziehbaren Faktoren beeinflusst, dass es für jemand außerhalb der Szene fast unmöglich ist, diese zu erraten. Generell gilt: Die Ausschläge auf dem Kunstmarkt sind extremer als auf dem Finanzmarkt. Die Preise steigen stärker und schneller, fallen aber extremer. Das liegt auch daran, dass viele Exponate in Panzerschränken verschwinden und erst Jahrzehnte später wieder auftauchen. Kunst vor 1945 ist sicherlich wertbeständiger als zeitgenössische – kostet jedoch auch um ein Vielfaches mehr und hat geringeres Steigerungspotential. Und nur weil ein Werk heute drei Millionen bringt, heißt das noch lange nicht, dass es in zwei Jahren das Doppelte erzielt – ein Stil kann „unmodern“ werden. Auch der Tod einen Künstlers ist kein Garant für eine positive Preisentwicklung – er kann auch vergessen werden. Da wird die Spekulation mit Kunst schnell zum Glücksspiel. Der einzige Vorteil: Kulturgüter gehören zu den wertbeständigsten Gütern neben Immobilien und bedürfen, abgesehen von fachgerechter Lagerung, keiner Unterhaltungskosten.

Das Auktionshaus gewinnt immer

Doch in kaum einem Markt wird so viel getrickst wie auf dem der Kunst. Die Auktionshäuser etwa versprechen einem Kandidaten, den sie – um eine Auktion aufzuwerten – unbedingt dabei haben wollen, oft hohe Preisgarantien. Erzielt das Werk den Preis nicht, behält der Auktionator oft das Werk und verkauft es diskret an einen vorher gesuchten Käufer. Manchmal ersteigert sogar ein Angehöriger des Auktionshauses inkognito das Werk und gibt es dem ursprünglichen Besitzer zurück. Oder dieser bietet anonym sein eigenes Werk, um es dann dem Zweitbietenden unter der Hand zu offerieren. Verboten, aber durchaus üblich. So steigt der Marktwert eines Künstlers. Wer dabei immer gewinnt, ist das Auktionshaus: Für jede Transaktion kassiert es eine Kommission, die bis zu 15 Prozent des Verkaufswerts betragen kann.

Kunstfonds werden leicht Opfer von Rezessionen

Wer jedoch oft verliert, ist der Künstler. Wenn er zu früh auf einer großen Auktion auftaucht und dort schlechte Preise erzielt, gilt er schnell als „verbrannt“ – egal, wie talentiert er ist. Für seinen Erfolg mitverantwortlich ist sicherlich auch, wie gut er sich in Szene setzen kann oder wie geschickt sein Galerist mit der Presse umgehen kann – alles Dinge, die bei der Spekulation mit Kunst bedacht sein wollen. Denn ein Hype kann genauso schnell enden wie er begonnen hat. Wer nun wenig Ahnung davon hat, kann sein Geld in Kunstfonds investieren. Hier sei jedoch daran erinnert, dass es bislang kein nennenswert erfolgreiches Wertpapier auf diesem Markt gibt. Die Ursache dafür liegt in der engen Verknüpfung mit den klassischen Geldmärkten, die eine Kunstwertanlage im Fall einer Rezession belasten. Außerdem muss man – bei allem Respekt – den meisten Bankern unterstellen, dass sie auch nicht die allergrößte Ahnung von Kunst haben. Ob das von den Kunstfonds erworbene Kulturgut nun gute Renditen erzielt, muss abgewartet werden. Leute, die heute durch Spekulation mit Kunst Geld verdienen wollen, sollten vor allem bedenken: Wegen der großen Nachfrage wurde und wird in diesen Markt unglaublich viel Geld gepumpt – die immens steigenden Preise für die teuersten Kunstwerke der Welt tragen dem Rechnung. Fachleute rechnen damit, dass in jüngerer Zukunft diese Blase platzen wird. Wer sich jedoch für Kunst interessiert, sich vielleicht ein wertiges Bild ins Wohnzimmer hängen will, sollte besser auf seinen Geschmack und seine subjektive Wertschätzung vertrauen. Wer dann den zeitgenössischen Schöpfer im Auge behält, seine Ausstellungen und seine mediale Aktivität positiv bewertet, kann vielleicht ein paar Werke zukaufen und sich nach einigen Jahren über eine tolle Wertsteigerung freuen. Wer jedoch ohne persönlichen Bezug durch die Spekulation mit Kunst reich werden will, kann sein Geld gleich bei der Rennbahn verwetten.

Klaus Mergel
 

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