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Die Vernissage

 

Vernissage – was heißt das eigentlich? Bei jeder Einladung zu einer Ausstellung sind wir mit dem Begriff konfrontiert – die wenigsten wissen, was er bedeutet

Wenn wir zur Eröffnung einer Ausstellung eingeladen werden, steht nicht selten auf der Einladung „Vernissage“. Doch auch wenn uns „Vernissage“ locker von den Lippen geht – und jeder, der sich für einen Kulturmenschen hält, benützt das Wort gelegentlich. Doch wissen die wenigsten von uns, was es eigentlich bedeutet. In der Realität heißt es: Es gibt kostenlosen Prosecco und Häppchen, der Künstler und die Lokalpresse sind anwesend und jede Menge Wichtigtuer setzen sich in Szene. Doch das ist eigentlich nicht gemeint.

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Vernissage: Rumstehen und Prosecco schlürfen

Der letzte Schutzanstrich eines Bildes ist die Vernissage

Der Begriff „Vernissage“ kommt – wie soll es anders sein? – aus dem Französischen. „Vernis“ bedeutet „Lack“ und meint das Leinölfirnis, den wesentlichen Bestandteil von Ölfarben. Das reine, klare Firnis (das natürliche Wachs- und Harzanteile besitzt) wird bis heute bei der Ölmalerei als „Finish“ verwendet: also eine Art „Klarlack“, der das Gemälde vor Umwelteinflüssen und vor Alterung schützt. Bis ins 19. Jahrhundert war es in Frankreich üblich, diesen Schlussakt eines Kunstwerks öffentlich zu vollziehen. Damit belegte der Künstler auch, dass er selbst es geschaffen hatte, zudem war es ein öffentliches Ritual der Kunstgemeinde, das bezwecken sollte, dass das Werk erfolgreich wird. Außerdem erwies ein Kunstschaffender seinen Freunden und seinen Mäzenen seine Wertschätzung, wenn er sie dazu einlud.

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Die Vernissage: In der Regel Prosecco, Häppchen und komische Kunst

Zur Vernissage kam die Finissage

Mittlerweile hat sich dieser Akt von der Eröffnung einer Ausstellung komplett gelöst: Zum einen, da kein Künstler mehr mit einem einzigen Bild eine Ausstellung veranstalten würde, zum anderen weil niemand mehr seine Gäste mit dem intensiven Firnisgeruch belästigen will. Außerdem: Wer schon mal in einem Maleratelier war, weiß, dass der Umgang mit Firnis immer ein wenig Sauerei verursacht. Was also geblieben ist, ist der Begriff „Vernissage“ für die Eröffnung. Erweitert wurde dieses Ritual in der Kunstwelt durch die „Finissage“: der Veranstaltung, die am Ende einer Ausstellung steht.

Klaus Mergel
 

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