Eine wirklich gute Zigarre zu finden, wird immer schwieriger. Nicht zuletzt seit Jugendliche das Potenzial der Stumpen zum heroisch In-Szene-Setzen auf Facebook für sich entdeckt haben und jede Tankstelle Ramsch-Zigarren zu Schleuderpreisen anbietet. Das qualmende Zepter der High-Society verkümmert zum Massenprodukt. Wie soll man da noch eine hochwertige Zigarre vom Poser-Stumpen unterscheiden können?
Wenn es um Erkennungsmerkmale einer guten Zigarre geht, wird häufig die Asche genannt. Die einen behaupten, ihre Farbe ließe Schlüsse zu. Andere halten die Konsistenz für aussagekräftig. Jens Schrader, Marketing Direktor von Arnold Andrè erklärt, dass beides Nonsens ist: „Die Nuancen der Asche lassen lediglich erkennen, ob die Zigarre heiß, also schnell, oder langsam geraucht wurde.“ Die Stabilität der Asche hingegen verrät laut Schrader lediglich, ob eine Short- oder Longfilter Zigarre gepafft wurde. Über die Qualität erfährt man so demnach nichts. Mal ganz davon abgesehen davon, dass man um Asche zu erhalten, die Zigarre ohnehin erst rauchen müsste. Und dann merkt auch der laienhafteste Novize, ob sie ihm schmeckt oder nicht. Ganz ohne Untersuchungen.
Es gilt also, Anhaltspunkte zur Zigarrenqualität zu finden, die sich schon vor dem Kauf erkennen lassen. Schrader gibt dazu den Tipp, das Deckblatt genauer unter die Lupe zu nehmen. Weist es viele dicke Adern auf, sollte man die Finger davon lassen, sofern man wirkliche Qualität kaufen möchte, da die Venen kein Aroma enthalten und reiner Nikotin-Lieferant sind. Besser sind Deckblätter mit wenigen und feinen Adern. Denn: Weniger Adern bedeuten mehr Fläche, die Aroma enthält.
Außerdem sollte das Deckblatt keine Risse aufweisen. Grund für das starke Aroma einer Zigarre ist, dass es – im Gegensatz zur Zigarette – keine Luftzufuhr gibt. Der Rauch wird dadurch kräftiger und kann deswegen auch nicht inhaliert werden, oder sollte es zumindest nicht. Mischt sich durch kleine Risse Luft hinzu, wird das Aroma geschwächt. Prinzipiell erhält man Zigarren mit solchen kaputten Deckblättern aber sowieso nur bei zwielichtigen Tabakhändlern an der Straßenecke.
Passt das äußere Erscheinungsbild, gilt es natürlich auch, die inneren Werte genauer in Augenschein zu nehmen. Der Connaisseur drückt dafür einfach leicht auf die Zigarre. Ist sie zu hart, sind die Tabakblätter zu eng zusammengelegt, womit kein ordentlicher Zug zustande kommen kann. Ist sie zu weich, ist das Gegenteil der Fall und der Tabak brennt zu heiß, was einen beißenden Geschmack im Mund beschert. Generell empfiehlt Jens Schrader aber jedem Anfänger: „Einfach probieren, probieren, probieren.“
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