Das simpelste Anzeichen sieht man schon bei Eintreten. Ist das Lokal rappelvoll oder leergefegt? Ist es leer, bekommt man zwar sicherlich einen schönen Platz – ob das Gericht dann allerdings genauso toll ist, sei mal dahin gestellt. Wo nicht viele Leute hingehen, schmeckt es meist auch nicht – es sei denn, der Wirt hat gerade sein Lokal eröffnet und vergessen, ein wenig Werbung zu machen. Brummt der Laden jedoch, eventuell sogar am Wochenende, sieht es gut aus.
Eventuell lohnt sich schon vor dem Eintreten ein aufmerksamer Blick: und zwar auf den Parkplatz. Stehen viele Fahrzeuge mit lokalen Kennzeichen rum? Dann handelt es sich nicht um Laufkundschaft, sondern um Stammkundschaft. Ist es ein Innenstadtlokal ohne Parkplatz, sollte man drinnen einfach die Ohren aufsperren: Wird regionaler Dialekt geschwätzt? Gutes Zeichen! Zur Not kann man auch mal jemanden fragen, ob er aus der Gegend sei.
Auch die Speisekarte verrät einiges über ein Lokal. Und zwar nicht nur die am Tisch, sondern die vor der Tür: das sprichwörtliche „Aushängeschild". Hängt seit Jahren derselbe, vergilbte Lappen an verrosteten Reißzwecken im Glaskasten? Kein Indiz für ein gutes Lokal! Gibt es praktisch jedes Gericht aus der internationalen Küche? Ebenfalls verdächtig! Hat das Lokal jedoch eine täglich aktualisierte Tageskarte mit einem klar definierten Speisenangebot, spricht das für eine gepflegte Küche mit ambitioniertem Koch. Denn hier gilt: Weniger ist mehr. Besser einer, der fünf Gerichte perfekt zubereitet, als einer, der hundert schlampig auftaut. Ebenso sind regionale Spezialitäten mit frischen Zutaten ein gutes Zeichen.
Beim Blick in die Karte sind die Getränkeinfos nicht unwesentlich. Weinliebhaber sollten auf Herkunftsangabe und Jahrgang achten, auch dass es nicht nur offene, sondern auch Flaschenweine gibt. Vorsicht gilt bei Beschreibungen wie „süffig" oder „rassig" – dies spricht nicht für die Passion des Weineinkäufers. Auch hier gilt: besser drei regionale Tropfen als hundert internationale. Beim Bier dagegen lassen sich wenig Rückschlüsse ziehen: Der Restaurantchef ist meist durch seinen Pachtvertrag gezwungen, eine bestimmte Marke auszuschenken.
Nicht zuletzt sollte man in einer fremden Stadt ein bisschen auf die Lage des Lokals achten. An der Flaniermeile oder am Stadtplatz ist immer was los, da finden sich immer ein paar Ahnungslose, die man hereinlocken und -legen kann. Liegt der Laden jedoch ein wenig abseits in einer Seitenstraße und ist frequentiert, spricht das für Qualität. Und wenn es dann auch schon einige Jahre durchgehalten hat, dürfte man keine größere Enttäuschung erleben. Woran man ein gutes Lokal erkennt, ist sicherlich auch ein bisschen Gefühlssache und Spürsinn: Ein guter Wirt muss sich nämlich nicht verstellen.
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