Klar, der Name verrät das Rätsel: Die Franzosen waren es. Aber die Geschichte ist doch etwas interessanter, als es scheint. Denn „Restaurant" bedeutet „Stärkungsmittel" – damit war im 18. Jahrhundert etwas Bestimmtes gemeint: simple Fleischbrühe. Aus Fleisch einen flüssigen Extrakt zu kochen war zwar keine taufrische Entdeckung, doch in den 1760er-Jahren war die Brühe der Renner: Die Leute in Frankreich waren richtig süchtig danach – vergleichbar nur mit dem Red-Bull-Boom in den 1990ern. Das hatte für den französischen Bürger durchaus den Reiz einer Droge. Und so breiteten sich die Verkaufsstände von Fleischbrühe über ganz Paris und andere französische Städte aus.
Findige „Kochköpfe" stellten fest, dass die Käufer - und Trinker - der Fleischbrühe dabei Appetit bekamen. Diese waren jedoch meistens Leute aus der Mittelschicht – man konnte sie also nicht mit einem banalen Eintopf und Brot befriedigen. Und wenn genug Salz in den Speisen war, bekamen die Kunden Durst: Wein musste angeboten werden. Weil die Fleischbrühentrinkerei bald ziemlichen Eventcharakter bekam, fingen manche Hersteller an, hübsche Lokalitäten zu mieten oder sich in ansehnliche Wirtshäuser einzunisten. Damit war das richtige Ambiente geschaffen. Doch dann kam ein Ereignis, das dem Restaurant zum Durchbruch verhalf: die Französische Revolution.
So grotesk es klingt, die Französische Revolution schuf die eigentlich recht dekadente Einrichtung des Restaurants. Denn viele Adelige verfügten über ausgezeichnete Privatköche. Nachdem deren Dienstherren ihren Kopf verloren hatten oder geflohen waren, waren die Kochkünstler arbeitslos und heuerten in den neuen Restaurants an. Perfekt machte die neuen Lokale der Umstand, dass mancher Adelige in finanzielle Not geraten war und unter der Hand seine edlen Weinbestände verkaufen musste. So wurde das Gourmetessen demokratisiert. Nicht immer ohne Risiko für die Betreiber: Mancher Restaurantbesitzer wurde schnell als Schwarzhändler oder „Konterrevolutionär" denunziert – oder als Aristokratenfreund.
Legalisiert und damit richtig populär wurde das edle Essen und Trinken im Restaurant durch Napoleon. Nachdem er Konsul wurde, garantierte er seinen Bürgern neben freier Religions- und Kleiderwahl das Recht auf leibliche Genüsse. Für den späteren Kaiser stand jedoch nicht der Genuss der Franzosen im Vordergrund, sondern die innere Sicherheit: Ein voller Bauch macht selten eine Revolution. Egal, die Leute hatten ihren Spaß – bis heute. Und so verdanken wir den Franzosen auch die Haute Cuisine: Ohne die Revolution würden sonst die Privatköche ihre edlen Gerichte immer noch für Adelige zubereiten – und nicht für jedermann (der Geld hat) im Restaurant.
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