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Gault Millau – Gourmettipps für echte Genießer

 

Sie kennen die Sterne des Michelin-Restaurantführers, haben aber noch nie etwas von den Hauben des Gault Millau gehört? Der Berater erklärt, um was es geht

Der Gault Millau entstammt einer Idee des französischen Journalistenduos Henri Gault und Christian Millau, das Anfang der 60er Jahre bei der Abendzeitung Paris-Presse die literarisch kulinarischen Themen kredenzte. Als echte Pariser Feinschmecker brachten sie 1962 den Pariser Restaurantguide Juillard heraus, worauf 1969 der Gault Millau für ganz Frankreich folgte. Harte Konkurrenz für den Restaurantführer der Michelin-Brüder. 1973 stellten die Journalisten Gault und Millau zehn Gebote für die Arbeit in der neuen Haute Cuisine auf, die unter anderem leichte Soßen und kurze Kochzeiten vorsahen. Alles Grundsätze, die den angeblich verstaubten Ideen des Michelin-Restaurantführers so gar nicht entsprachen.

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Der Gault Millau: harte Konkurrenz für den Michelin-Restaurantführer

Der Gault Millau Restaurant-Guide

Im Gault Millau Restaurant-Guide wird kein bestimmter Kochstil bevorzugt, daher finden sich in dem Gourmetratgeber klassische neben modernen und exotischen Restaurants. Der Gault Millau möchte gute Köche und Köchinnen fordern und fördern, wodurch auch nur die Küchenleistung in die Beurteilung mit einbezogen wird. Der Service, das Ambiente und die Weinauswahl des Restaurants werden gesondert beschrieben. Deutsche Gourmetfreunde durften sich übrigens im Jahr 1983 über den ersten Gault Millau Restaurant-Guide für die hiesige Küche freuen.

Der Gault Millau Wein-Guide

Die Journalisten des Gault Millau Weinguides dürften öfter mal einen sitzen haben, schließlich verkosten sie auf der Suche nach vorzüglichen Weinen und neuen Winzertalenten über das Jahr hinweg bis zu 12 000 Weine. Die Weinbetriebe erhalten im Frühjahr eine Einladung dazu, die Weine ihrer Jahreskollektion zur Prüfung einzureichen. Meistens beschränken sich die Weingüter darauf, sechs bis zwölf verschiedene Weine zu schicken. Zusätzlich sind die Autoren des Gault Millau Weinführers das ganze Jahr über auf Messen und Verkostungen zu Gast. Das heißt, an einem Tag werden bis zu acht Kollektionen auf ihren Geschmack und ihre Qualität geprüft. Am Ende schafft es jedoch nur ein kleiner Bestandteil der getesteten Weine in den Gault Millau Wein-Guide.

Die Gault Millau Bewertungsskalen

Das Gault Millau Bewertungssystem für erlesene Küche funktioniert wie das französische Schulnotensystem und vergibt zwischen 0 und 20 Punkten. 19 und 19,5 Punkte stehen für vier Hauben, beziehungsweise Kochmützen. Die Höchstpunktzahl von 20 Punkten wird, wie es die Gründer Henri Gault und Christian Millau bestimmt haben an kein Restaurant vergeben, schließlich kann „nur der liebe Gott, aber kein Mensch Vollkommenheit feststellen.“ Die Qualität von Service und Wein kann an der Länge der dazugehörigen Beschreibung abgelesen werden. Wenn sie kurz und knapp ausfällt, dürfte klar sein, dass der Testesser mit seinem Restaurantbesuch nicht sonderlich zufrieden war. Während die Restaurants um französische Schulnoten und Hauben kämpfen, wird im Gault Millau Wein-Guide nach einem 100 Punktesystem vom passablen Wein für den Alltagskonsum bis hin zum perfekten Wein bewertet. Und, wer hätte es gedacht: Die Gault Millau 100-Punkte-Hürde knackt kein Winzer so schnell.

Wenn der Gault Millau nach Korken schmeckt

Die Verlagsleitung und die Redakteure des Gault Millau Weinguides sind echte Weinkenner und kreative Köpfe. Deshalb hatten sie Anfang 2009 als die Verkaufszahlen und Anzeigenverkäufe des Weinführers langsam sanken auch eine vermeintlich kreative Geschäftsidee. Über 900 Winzern wurden gegen eine Jahresgebühr von 195,00 Euro Marketingpakete, unter anderem bestehend aus Gault Millau Türschildern und Urkunden angeboten. Zusätzlich sollten die Winzer mit den Testberichten der Gault Millau Redaktion für ihre edlen Tropfen werben können. Der Getestete sollte also den Tester quasi fürs Testen bezahlen. Einigen Winzern war dieses neue Geschäftskonzept zu Recht zuwider, wodurch sie sich zu einem offenen Brief gezwungen sahen, in dem sie ankündigten, wohl keine Weine mehr zur Verkostung einzureichen. Die besten Weingüter des Landes, darunter Egon Müller von der Saar, Meyer-Näkel von der Ahr und auch Hermann Dönnhoff von der Nahe beschwerten sich beim schon bald ehemaligen Chefredakteur Armin Diel: „Wie sähe es wohl aus, wenn einer zahlt und der andere nicht!“ Vetternwirtschaft beim sonst so transparenten Gault Millau? Armin Diel hat die neue Geldidee den Redaktionsstuhl gekostet und den Weinführer eventuell seine Glaubwürdigkeit.

Jenna Santini
 

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