Während man früher scharfe Chilisoßen noch mühsam im Delikatessengeschäft kaufen musste, gibt es sie inzwischen in jedem Supermarkt. Aber warum essen wir überhaupt scharfe Chilis und warum behaupten einige Menschen danach süchtig zu sein? Die Antwort liegt in den Inhaltsstoffen der Chili. Der Wirkstoff Capsaicin wird von manchen Pflanzen ausgebildet, um sich gegen Fraßfeinde zu schützen. Er reizt beim Menschen die Schmerzrezeptoren in der Haut und aktiviert das Schmerzzentrum im Gehirn. Als Gegenreaktion schüttet der Körper das Glückshormon Endorphin aus. Vereinfacht gesagt lernt der Körper, dass er für scharfes Essen belohnt wird. Chili macht also glücklich.
Die Scoville-Skala wurde nach dem US-amerikanischen Chemiker Wilbur Scoville benannt. Sie beschreibt das enthaltene Capsaicin und reicht von 0 bis 15 Millionen Scoville (reines Capsaicin). Im ursprünglichen Scoville-Test wurden die Milliliter Wasser ermittelt, die es benötigt, um einen Milliliter Capsaicin zu neutralisieren. Um 15 Millionen Scoville zu neutralisieren, benötigt man also 15 Millionen Milliliter Wasser, das entspricht 15.000 Liter (100 Badewannen). Heute kann man den Capsaicin-Gehalt wesentlich effizienter auf chemische Weise ermittelt.
Lange Zeit galten die Red Savina Chilis als die schärfsten überhaupt. Seit 2007 steht im Guiness-Buch der Rekorde aber eine andere Sorte: Bhut Jolokia ist in Bangladesh sowie im Nordosten Indiens beheimatet und ist dreimal so scharf wie Red Savina. Die Bauern in den Anbaugebieten haben Bhut Jolokia schon lange als Nutzpflanze entdeckt. Sie streichen eine Paste die Bhut Jolokia enthält an die Zäune um ihre Felder, um Elefanten von der Ernte fernzuhalten.
Wirklich glaubhaft belegt sind nur ganz wenige Fälle. Sicher ist jedoch, dass extrem scharfe Soßen in zu hoher Dosierung zu Schwindelanfällen bis hin zur Ohnmacht führen können. Auch Blasen im Mundraum sind im Extremfall möglich. Ansonsten ist scharfes Essen durchaus gesund, es regt die Verdauung an, wirkt antibakteriell und senkt im Sommer die Körpertemperatur durch Schwitzen. Sollten Sie einmal zu scharf gegessen haben, machen Sie nicht den Fehler das Brennen mit Wasser bekämpfen zu wollen. Da Capsaicin nicht wasserlöslich ist, wird es nur weiter im Mund verteilt. Trinken Sie lieber ein Glas Milch oder essen Sie ein Joghurt, denn das enthaltene Protein Kasein kapselt das Capsaicin ein und mildert das Brennen. Sollten Sie Ihre Herzensdame mit einem pikanten Diner überraschen wollen, dürfen Sie keinesfalls vergessen, sich nach dem Kochen die Hände zu waschen. Ansonsten könnte es im Schlafzimmer zu einer bösen Überraschung kommen.
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