Gibt es ein typisch deutsches „Volksessen“? Wenn überhaupt, kann das eigentlich nur die Frikadelle sein. Oder Bulette. Oder auch das Fleischpflanzerl, wie die Bayern dazu sagen. Es gibt jedoch einen sehr wichtigen Unterschied zwischen der süddeutschen und der norddeutschen Variante: Das Fleischpflanzerl steckt im Brot, in der Frikadelle ist das Brot schon innendrin.
Das hat aber nichts mit Sparsamkeit zu tun (wenngleich man die Dinger nach dem Krieg bis zur Unkenntlichkeit mit Backwaren gestreckt hat): Das Brot - keine Semmelbrösel! - macht den Fleischkloß schön locker. Der lässt sich übrigens kalt auch gut aus der Hand essen. Ich kann mich noch erinnern, dass jede Kneipe früher einen Frikadellenschrank hatte. Da hat sich jeder den ganzen Tag über nach Herzenslust bedient. Heute isst man die Frikadellen nicht mehr so viel. Vielleicht hat das mit dem gesunkenen Bierkonsum zu tun? Auf jeden Fall ist das ein schönes, bürgerliches Gericht, mit dem man an einem Bundesliga-Abend prima eine große Männerrunde satt kriegt. Nun, die Brötchen haben wir schon mal eingeweicht, als kleine Vorarbeit.
Bevor ich die Zwiebeln zum Hackfleisch gebe, brate ich sie an - in Butter natürlich. Kurz vor Schluss füge ich die Petersilie hinzu, damit sich der Geschmack besser entfaltet. Und dann kommt das leidenschaftliche Kneten! Die Zwiebeln, das Brot, der Senf (der gehört im Ruhrpott immer gleich in den Teig rein und nicht später zu den fertigen Frikadellen!) und die Eier werden zu einer schönen Masse vermengt - das geht am besten mit den Händen. Ich persönlich empfehle ein Mischungsverhältnis 50 : 50 (Fleisch zu Brot).
Damit sie außen schön knusprig werden, wende ich sie noch in Paniermehl. Und dann nichts wie rein in die Pfanne! Bei mittlerer Hitze in viel Rapsöl (oder Butterschmalz) piano braten, damit sie auch innen richtig durch werden. Mehrmals wenden, dann bekommen sie eine schöne dunkelbraune Farbe. Jetzt lasse ich sie auf einem Gitter noch abkühlen und abtropfen - fertig sind unsere Frikadellen. Wem damit jetzt der Fußballabend nicht gelingt, der hat höchstens vergessen, das Bier zu kühlen...
Brötchen in lauwarmem Wasser einweichen, danach in einem Sieb ausdrücken. Zwiebeln schälen, würfeln, in Butter andünsten, dabei leicht bräunen, die Petersilie kurz vor Ende zugeben. Hackfleisch, Ei, Brot, Senf, Thymian und abgekühlte Zwiebeln in eine Schüssel geben und gut durchkneten. Mit Meersalz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Frikadellen formen, in Paniermehl wenden und in beschichteter Pfanne mit ausreichend Rapsöl bei mittlerer Hitze dunkelbraun braten.
Vom Fleischteig ruhig mal ein Probebällchen braten. Wenn das Ergebnis zu hart wird: einfach noch mehr aufgeweichtes Brot untermengen.
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