Ob man mit den Händen essen darf? Ganz einfache Antwort: Kommt drauf an. Denn letztlich sind wir Menschen auch nur Tiere, wir sollten es uns nicht unnötig schwer machen. In Griechenland etwa sagt man: „Für Hähnchen und Frauen braucht man Hände." Wie wahr: Mit Besteck gelingt die Ausbeute an Schenkel und Flügel ziemlich bescheiden. Besser funktioniert das Abnagen mit den Zähnen – wofür man aber wieder die Hände braucht! Daher bekommt man im Restaurant häufig dazu eine Fingerschale oder ein Erfrischungstuch, um sein „Handwerkszeug" hinterher zu reinigen.
Dass man Burger und Pommes im Restaurant mit Messer und Gabel essen soll, ist wohl eher im Einzelfall zu entscheiden. Doch eigentlich spricht alles dafür: Beides stammt aus der US-Essenskultur, in der fast alles mit den Händen verspeist wird. Sollte es also nicht gerade das Restaurant vom Pariser "Ritz" sein oder in Gesellschaft der Queen, darf man durchaus handgreiflich werden. Und wer unsicher ist, fragt einfach den Kellner, ob es jemanden stört. Ähnlich gelagert ist der Fall bei der Pizza: Bei einer einfacheren Pizzeria hat sicherlich niemand etwas dagegen. Und da Pizza in der italienischen Küche keinen hohen Stellenwert einnimmt, ist es eher unwahrscheinlich, dass man sie in einem Toplokal bestellt.
Beim Seafood ist es etwas komplizierter. Auch wenn mancher Fisch – wegen der Gräten – für manchen Ungeübten eine ziemliche Herausforderung darstellt: Fisch isst man nicht mit den Händen, sondern immer mit dem Fischbesteck. Dazu wird an der Rückenflosse ein Schnitt gemacht und die obere Lage Fleisch mitsamt Haut von der Gräte weggeklappt. Anders jedoch Hummer und Austern: Diese Schalen- und Krustentiere werden traditionell so gegessen, wie es der Mensch schon vor tausend Jahren machte: mit den Händen und schlürfend. Bei Garnelen ist übrigens beides – je nach Geschicklichkeit – üblich.
Noch besser ergeht es uns, wenn wir – auch als Kulturfremde – uns in ein afrikanisches, arabisches oder indisches Lokal begeben. Denn auch wenn in der „euroindischen" Esskultur inzwischen Messer und Gabel üblich sind: Man darf traditionell mit den Händen essen. Oft wird das Fladenbrot dabei als Werkzeug benützt – und dann einfach mit gegessen. Das ist nicht nur – entgegen vielen Vorurteilen – ziemlich hygienisch, sondern macht auch großen Spaß. Und man wird nicht schief angeguckt. Mit einer Ausnahme: Beim Essen mit den Händen sollte man sich im indischen Lokal auf die rechte beschränken: Die linke Hand benützt der Inder traditionell für ein anderes Geschäft ...
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