Die Deutschen sind eine Nation von Bäckern und Brot-Essern. Angaben der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ zufolge, isst jeder Deutsche pro Jahr rund 75 Kilogramm Backwaren - mehr als jeder andere Europäer. Gleichzeitig ist Deutschland berühmt für seine vielen Brotsorten und gilt weltweit als Spitzenreiter auf diesem Gebiet. Eindeutige Zahlen gibt es bisher nicht, verschiedene Quellen sprechen aber von deutschlandweit rund 300 Brotsorten. Um fundierte Zahlen ermitteln zu können, wurde im Februar 2011 das so genannte „Deutsche Brotregister“ eingerichtet. Hier sammeln und bewerten drei Lebensmitteltechnologen Brotrezepte, die von Bäckern über das Internet eingereicht werden können. Anhand der genauen Rezepturen entscheiden die Wissenschaftler, welches Brot tatsächlich eine eigene Sorte darstellt und welches nicht.
Feststeht: Brot ist nicht gleich Brot. Doch was begegnet uns an der Bäckertheke nun eigentlich genau? Kartoffel-Ingwer-Brot, Nuss-Möhrenbrot, Bio Kürbis-Joghurt-Brot – die immer neuen Kreationen sind atemberaubend. Letztendlich lassen sie sich aber klar nach Getreidearten sortieren. Nach Angaben des „Deutschen Brotregisters“ sind hier die Roggenmischbrote (24 Prozent) am meisten verbreitet, gefolgt von den Vollkorn- und Weizenmischbroten (jeweils 17 Prozent). Außerdem gibt es noch Roggenbrote (12 Prozent), Weizenbrote (11 Prozent), Mehrkornbrote mit mindestens drei Getreidearten (9 Prozent), Dinkelbrote (6 Prozent), Mischbrote (3 Prozent) und Haferbrote (0,1 Prozent).
Im Mittelalter galt das fein gemahlene Weizenbrot als Luxus, heutzutage sind vor allem die dunklen Brotsorten, allen voran das Vollkornbrot, sehr beliebt. Kein Wunder: Das grob gemahlene Vollkornbrot ist gesünder als Weizenbrot. Beim Vollkornbrot wird nicht nur der Mehlkörper, sondern das gesamte Korn vermahlen, mit Schale und Keimling. Dadurch bleiben viele Nährstoffe erhalten. Das Weizenbrot dagegen enthält vor allem Kohlenhydrate. Es liefert schnell Energie, wird inzwischen aber von vielen (Frauen) als Dickmacher gemieden. Warum? Das ballaststoffarme, fein gemahlene Weizenbrot wird in unserem Magen schnell umgesetzt, es macht also nicht so satt. Wir haben länger Hunger.
Vollkornbrot gehört in Deutschland also durchaus zum guten Ton. Gleichzeitig mahnen Etikette-Trainer, dass wir unser Brot ganz falsch essen: Beim Frühstück ist Bestreichen erlaubt, sagt der „Arbeitskreis Umgangsformen International“ (AUI), der Empfehlungen für Umgangsformen, Etikette und Business-Knigge festlegt. Beim Mittag- oder Abendessen dagegen sollten wir uns die Essensformen eher von unseren italienischen und französischen Nachbarn abschauen. Hier gilt: Nicht dicke Schreiben beschmieren! Lieber kleine Brotstückchen brechen, wer will mit Butter bestreichen, und essen. Oder noch besser und typisch italienisch: Brot in Schälchen mit Olivenöl und Aceto Balsamico tunken. Weitere Informationen unter www.brotregister.de.
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