Ekel ist ja immer eine kulturelle Eigenheit. Er tritt stets auf, wenn wir etwas mit unrein und verdorben assoziieren – wie etwa für Muslime Schweinefleisch. Wir dagegen bekommen Brechreiz, wenn wir an Insekten oder kriechendes Getier auf dem Teller nur denken. Daher sind viele Landesspezialitäten oft gar keine ekligen Lebensmittel, sondern bedenkenlos genießbar – nur ungewohnt.
Wenn man es nicht wüsste, würde mancher Europäer richtig Spaß an gerösteten Vogelspinnen haben. Im Amazonas und in Südostasien werden die großen, haarigen Tierchen in Bananenblätter gewickelt und über dem offenen Feuer gegrillt. Angeblich soll ihr Fleisch an Gefügel erinnern, und zwar an knuspriges.
Bei der Indio-Bevölkerung Perus und Boliviens wird der Riesenfrosch schon seit Urzeiten verspeist – zumindest seine Schenkel. Auch als Aphrodisiakum wird er angeboten. Heute jedoch packt man in vielen Bars von Lima den großen Frosch zusammen mit Honig und einer bestimmten Wurzelknolle in den Mixer, püriert das Ganze und trinkt es aus enem Cocktailglas. In Limas Nightlife derzeit sehr angesagt. Leider ist der Drink nicht nur ein ekliges Lebensmittel, sondern auch eine Umweltschweinerei: Der Titicaca-Riesenfrosch gilt als gefährdete Tierart.
In Norwegen mag man halbe Sachen: etwa einen Schafskopf der Länge nach zersägen, pökeln und dann räuchern. Smalahove nennen die Norweger das – und arbeiten sich dann bei der Mahlzeit übers Ohr durch den Kiefer ins Auge vor. Durchaus ein ekliges Lebensmittel, wenn auch harmlos.
Vergammelten Käse gibt es – Überraschung! – nicht nur im exotischen Ausland. In dem kleinen Dorf Würchwitz (Sachsen-Anhalt) wird seit dem 11. Jahrhundert ein Käse hergestellt, der in einer Holzkiste ein halbes Jahr lang lagert. Zusammen mit Roggenmehl und einer Vielzahl von Milben. Das macht ihn zwar angeblich lecker (Kaiser Barbarossa soll ihn schon gelobt haben) und enorm haltbar, jedoch definitv zum ekligen Lebensmittel. Auch beim sardischen Casu Marzu ist Getier im Spiel: Die Käsefliegenmade darf auf diesem Käse nach Lust und Laune herumturnen. Der Käse stinkt übrigens gewaltig: Wegen der Maden ist sein Vertrieb nach EU-Richtlinien sogar verboten. Echte Gourmets essen die Fauna auf dem Käse mit...
In Island wird eine andere Delikatesse gepflegt: Hákarl, fermentierter Hai. Dabei gräbt man einen Eishai sechs Wochen in Kies ein und trocknet ihn danach. Der Hintergrund: Der Eishai wäre eigentlich gesundheitsschädlich, da er in seinem Fleisch Harnstoff anreichert, das bei der Verdauung zu Ammoniak würde. Durch die Behandlung verdunstet das Ammoniak. Nachteil: Hákarl stinkt gewaltig und schmeckt so scharf, dass sogar manchem Isländer schlecht wird. Ohne Frage ein ekliges Lebensmittel.
Was im Dorf von Asterix immer zu Schlägereien führt, sorgt bei manchen Schweden für verzückte Gesichter: der verfaulte Fisch. Eigentlich nur vergoren, denn der Surströmming (gegorener Strömling) ist eine Art, Lebensmittel haltbar zu machen. Dabei wird Hering gesäuert, zum Gären angesetzt und in Konservendosen abgefüllt, wo die Gärung fortdauert. Beim Öffnen der Dose soll es zischen – sonst ist der Fisch nicht reif. Nachteil: Der Fisch stinkt zum Himmel. Und zwar so, dass nach einem Urteil von 1984 (Landgericht Köln) einem Mieter fristlos gekündigt werden darf, der im Hausflur eine Dose Surströmming öffnet. Wegen Explosionsgefahr der Dosen ist der Fisch übrigens in Flügen der Airt France und British Airways verboten. Ganz klar Platz 1 der Liste der ekligen Lebensmittel!
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